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Aus »Waldeinsamkeit«. Gedichte 2008, Vers 30497 bis 30544

RATIBOR


Einst gab ein verirrter Ritter
Seiner Rettung zum Geschenk,
Daß dem Sumpf und dem Gewitter
Eine Stadt und Kirche denk,
Sein Vermächtnis, sein Vermögen
Wuchs im Hag, den er erkor,
Kreuz und Rad besingen Bögen
Für Marie in Ratibor.

Nah dem Haupt der Opolanen,
Wo gebaut nach deutschem Recht,
Flattern rot und weiß die Fahnen
Wie im Karpfenteich der Hecht,
Breslau schreibt am Weg der Weiser,
Und nach Mähren geht das Tor,
Manch Gebirge trennt vom Kaiser,
Aber treu steht Ratibor.

Ob an Böhmen falle Oppeln,
Ob da Preußen Schlesien ein,
Zeigt der Acker nur noch Stoppeln,
Glüht im Glas Burgunderwein,
Aus der Welt berichten Gäste,
Daß der Zar Bojaren schor,
Doch im Sturm steht Gottes Feste
An der Oder: Ratibor.

Daß nach einem Adelsstande
Länger nicht die Aue dürst,
Herzog ward dem Oppellande
Hohenlohe-Schillingsfürst,
Auf Schloß Lubowitz erzogen,
Wuchs ein Reim dem deutschen Ohr,
Der als Vöglein aufgeflogen
In dem Wald bei Ratibor.

Eichendorff wird ewig singen
Jedes Ding geheimes Lied,
Mags dem Teufel auch gelingen,
Daß man nichts mehr hört und sieht,
Werden selbst noch Stein und Wüste,
Noten und des Lieds Tenor,
Weil der deutsche Dichter grüßte
Gottes Herz in Ratibor.

Was vom Mittelalter lebte,
Machten Moskowiter platt,
Was im Brand der Plündrer bebte,
Hat verflucht die alte Stadt,
Daß ein Glaubensritter schwöre,
Der den Weg im Wald verlor
Und der Fluß dem Reich gehöre,
Hofft der Staub in Ratibor.