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Aus »Gefangener Schwan«. Gedichte 1984, Vers 2137 bis 2168

ZEITGEDICHT


Winternachts wuchern Gesichte
Dumpfen, gestaltlosen Wehs
Durch der verlornen Geschichte
Wölfischen Singsang des Schnees.

Apokalyptischen Bildern
Weigerst du Sprache und Schrift,
Aber die Städte verwildern,
Bis sie der Silberpfeil trifft.

Was dir zu sagen geworden,
Rührt die Geknechteten kaum,
Moder, Gemeinheit und Morden
Werfen zurück in den Traum.

Aber in Treue ist Wahres
Möglich und überdies Mut,
Und es erfüllt sich: auch Ares
Fordert uns seinen Tribut.

Werden die Freiräume schlanker,
Werden die letzten verlost,
Hilft uns kein rettender Anker,
Nur metaphysischer Trost.

Alles ist allem verpflichtet,
Zweischneidig senkt sich der Bann,
Doch wer sein Wappen gesichtet,
Hebt sich an jedem hinan.

Unsere strittigen Normen
Haben den Rhythmus gemein,
Wie wir das Zeitlose formen,
Weiß die Geschichte allein.

Müssen wir dennoch verlieren,
Was uns im Anfang gelohnt,
Trau den Gedichten und ihren
Träumen, vom Wandel verschont.