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Aus »Gefangener Schwan«. Gedichte 1984, Vers 2045 bis 2072

MEDUSA


I

Sie war so schön, doch Pallas überraschte
Sie buhlerisch auf ihren Tempelstufen,
Im Zorn hat sie das Mädchen so verrufen,
Daß niemand mehr an ihrem Busen naschte.

War einst sie lind wie Zephyrus beim Baden,
So konnte nun der Schrecken bloß versteinen,
Zu arger Schmerz verströmt sich nicht im Weinen,
Er stockt das Herz und reißt den Lebensfaden.

Doch ist auch ihr Erlösung einst versprochen,
Wer, ihrem Blicke fern, sie weiß zu minnen,
Hat auch des Fluches Siegelwachs gebrochen.

Viel muß geschehn, daß solches mag beginnen,
Doch wer das Blut der Göttin machte kochen,
Stirbt nicht gestillt und anstandslos im Linnen.


II

Das Alter macht Gesichter zur Geschichte,
Im Tode kehrt die Einfalt früher Glücke,
Wir sehn ihn im Gefolge übler Tücke,
Doch wenn er kommt, gehn wir in anderm Lichte.

Der Anlaß ist der Sterbenden, die leidet,
Bei Licht besehn von minderem Belange,
Der Eigenformer wechselt Maß und Zange,
Und streng er beides vom Betrachter scheidet.

Im Haupt verbleibt der schreckenhafte Schinder,
Doch was draus floh, ist andrerweis geborgen,
Ihm ist der Mörder immer nur ein Blinder.

Er mag sich um die eigne Seele sorgen,
Es züchtigen die Götter ihre Kinder,
Die aber müssen die Gestalt nicht borgen.