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Aus »Gefangener Schwan«. Gedichte 1984, Vers 1899 bis 1940

IM SPIEGEL


I

Durch meine Seele deiner Augen Schweben.
Den unbewachten Eingang findend, strich,
Bis endlich dieses angeschaute Leben
Dem ersten urverwandten Antlitz glich.

Und wie sich in den Hallen, drin sie gingen,
Auf Bildern ein Gefäd zusammenzog,
Umflatterte mein Herz mit kalten Schwingen
Des zweiten Höllenkreises Wahngewog.

Ich blickte nieder, schloß verzagt die Pforte
Und wappnete mir Augenlicht und Worte
Mit Fremdheit, die dein Weitergehn bestritt.

Doch dann, als ob sie sich mit mir vermähle,
Versank ich selbst in dunkle Spiegelsäle,
Bis ich in deinen Traum hinüberglitt.


II

Geviert der Furcht in kristallin vereister
Erstarrung, die als Summe deiner Bilder
Das Hirn beficht, sobald ich Schrecken schilder,
Vergehn sie, und ich bin dein Hexenmeister.

Ich habe mich aus jedem Reich verloren,
Wo sanft die Sommer, ahndungsvoll und trunken,
Und habe mir, dem frühen Licht entsunken,
Dein Unheil nun zum Aufenthalt erkoren.

Hier will ich, wo mich nichts erinnern kann,
Vergessen eines lichten Engels Flucht,
Sein Schwanenkleid, das rasch im Ried verwest.

Vergessen Zeit, da ich darüber sann,
Die große Sorge und die große Sucht,
Der du so fremd, daß du sie nie verstehst.


III

Zwei Bilder hat der Spiegel deiner Frage
Im Unheim stiller Reife ausgedrückt,
Und keines rettet, keines hebt und schmückt,
Und keines überwindet deine Klage.

Das erst flattert durch zerbrochne Dinge
Mit Anmut und mit viel Musik dahin,
Das zweite führt des gleichen zweiter Sinn
Im Kreis um des mißlungnen Fluges Schwinge.

Die Spiegelfremde darfst du nicht berühren,
Vermagst du dennoch hier hindurchzuschreiten,
Fliegt dir vielleicht die Überwindung zu.

Symbole und Orakel, dich zu führen,
Verbergen sich in allen Lebenszeiten
Am Saum des Wortes und im Schweigen: Du.