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Aus »Engelke up de Muer«. Gedichte 2008, Vers 29387 bis 29470

SEINER MAJESTÄT SCHIFF EMDEN


Kleiner Kreuzer der Marine,
Danzigs Kind im Jahre acht,
Lehrzeit zeigt dir gute Miene
Bei der Hohenzollenyacht.

Zu der Argentinier Feier,
Daß sie hundert Jahre frei,
Bringst du Grüß vom deutschen Meier
Und aus Kaisers Reichskanzlei.

Deutsch-Samoa läßt dich dampfen
Bis dich der Pazifik kennt,
Deine Kolben fröhlich stampfen,
Daß dein Volk zur Sonne fänd.

In Ponape die Chinesen
Geben ersten Vorgeschmack,
Was des Krieges Sinn und Wesen,
Wie ein Kratzer schmückt den Lack.

Hie und da ein paar Gemetzel,
Sorg und Pfleg du nie vermißt,
Denn so reich wie König Etzel,
Ist die Fahne, die du hißt.

Aber dann ziehn sich die Fronten
Grad wie Schlingen um das Reich,
Die sich in Erfolgen sonnten,
Werden auch im Krieg nicht weich.

So auch du, die gern versenken,
Trügt des Schornsteins Britenart,
Vom Geschwader abzulenken,
Brichtst du auf zur Kaperfahrt.

Wolf im Golfe von Bengalen,
Bringst in einer Woche vier
Wohlbestallte Britenschalen
Auf und bist der König hier.

Forsch den höchsten Preis zu losen,
Fuchs im Hafen von Penang,
Feuerst Russen und Franzosen
Blitzhaft in den Untergang.

Auch ein Landungsunternehmen,
Fast mit Mauser und Pistol,
Macht die Feinde starr wie Schemen
Und vermehrt des Reiches Wohl.

Doch den Funkruf der Verschreckten
Fingen die Australier auf,
Da die Emden sie entdeckten,
Nahm das Schicksal seinen Lauf.

Früh dein Ausguck sah das Rauchen
Und verließ den Landungstrupp,
Die Kanonenrohre fauchen,
Daß sich so der Feind entpupp.

Keine Treffer zu beklagen,
Dein Geschütz da besser zielt,
Und dem Tom gehts an den Kragen,
Sein Entfernungsmaß verspielt.

Eine weitere Granate
Trifft ins Munitionsdepot,
Wär sie nicht ein blinder Pate
Sänk die Sydney lichterloh.

Doch der Feind hat beßre Waffen
Und nach dem vertanen Glück,
Muß das Ruder bald erschlaffen
Und es brennt so manches Stück.

Noch dem Sinken auszuweichen,
Läufst du aufs Korallenriff,
Dies war nicht ein Kampf von Gleichen,
Emden weint um dich, sein Schiff.

Da noch weht die deutsche Fahne,
Wirst du Leiche noch gequält,
In dem aufgegebnen Kahne
Deutschland weitre Tote zählt.

Die an Land zu schwimmen suchten,
Sind vermißt für alle Zeit,
Tags darauf die Gut-Betuchten
Nahmen auf das deutsche Leid.

Als ein Wrack bliebst lang du liegen,
Später der Australier nahm,
Was ihm Schmuck zu seinen Siegen
Schien und ins Museum kam.

Doch im Reich hat deines Ruhmes
Nie sich mehr ein Schiff erfreut,
Und im Glanz des Königtumes
Wird von dir erzählt bis heut.

Emden gab dem Kapitäne
Ehrenbürgschaft und die Leut,
Die gedient auf der Domäne,
Emden jetzt im Namen freut.