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Aus »Engelke up de Muer«. Gedichte 2008, Vers 28495 bis 28530

NORDERNEY


Friesische Insel, nur knapp eine Stund
Brauchte die Fähr von der Mole Norddeich,
Marcellus brach deine Mutter im Grund,
Aber die Folgezeit nährte dich reich.

Emder und Norder und Groninger stehn
Werbend und tauschend im Wettergebraus,
Zwischen den Dünen, die wandern und gehn,
Ist eine lederne Sippe zu Haus.

Silbernes Wappen bezeugt uns das Kap,
Das erst aus Holz und dann später von Stein,
Walvaters Rappe beschied dich im Trab,
Ehe er kehrte auf Helgoland ein.

Heine hat dreimal die Insel besucht,
Zwar ist sein Steckenpferd Xenie nicht Gunst,
So hat den Tee er als Brühe verflucht,
Jungfrauen, meint er, schützt fischiger Dunst.

Doch wenn man weiß, daß der Schmäh sein Metier,
Schätzt man darum, daß es nicht dabei blieb,
Nennt er die Friesen doch schlicht wie die See,
Rühmend, daß ihnen die Freiheit so lieb.

Düsseldorf bat in der Weimarer Zeit
Breker, den Dichter in Bronze zu haun,
Doch nach dem Krieg solche Kunstwerke leid,
Wollts das Bestellte nicht öffentlich schaun.

Also hat Norderney heute den Schatz,
Klassisch graziös, daß man drüber verstummt,
Weil man hier fernsteht der neidischen Hatz
Auf eine Kunst, die den Geist nicht vernummt.

Meinte der Großstädter Preisrichter einst,
Ähnlichkeit sei nicht zu finden im Guß,
Wußte das Volk, wie du anschauend meinst,
Daß ihm die Schönheit und Hoheit Verdruß.

Aber was mindern gesollt das Geschenk,
Gab ihm den herrlichsten Standort der Welt,
Wenn ich an Düsseldorfs Gassenschmutz denk,
Mein ich, daß dies unserm Herrgott gefällt.