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Aus »Marone und Morchel«. Gedichte 2009, Vers 26310 bis 26349

ESPENROTKAPPE


Das Pilzreich schließt ans Baumreich an,
Drum singt dem Baum, wer singt dem Gnom,
Der Baum allein – ein wackrer Mann,
Der Baum im Wald – die Sul im Dom.
Der Pilz ein Schelm und ein Gesell,
Wie Geisterhäupter an den Säuln,
Er lobt die Sonne farbenhell
Und lebt vom Schleimigen und Fäuln.

Der Schlehe und dem Ginster nach
Sucht sich die Espe ihr Gebiet,
Ob Halde, Rand, ob gänzlich brach,
Sie nicht sehr auf den Boden sieht,
Doch Licht verlangt sie ungetrübt,
Dann sind die Blätter lang gestielt,
Weil sie damit das Rauschen übt,
Sie mit dem schwächsten Winde spielt.

Kein Röhrling hat ein holdres Haupt
Als diese Maid am Espenrock.
Wer hätte solchen Fund geglaubt,
Dems fern, daß er Insekten lock.
Der junge Hut greift üppig um,
Dann wächst das Röhrenpolster aus,
Gebuchtet um den Stiel herum,
Herrscht Maß und Einigkeit im Haus.

Der weißlich gelbe Stiel ist voll
Von roten Schuppen, die gestreut
Mit Anmut ohne Scham und Groll,
Daß es uns herzerfrischend freut.
Der Schnitt erst lila, mählich nacht,
Dies bleibt dann auch beim Kochen so,
Doch die Verdunklung gar nichts macht,
Dafür wirds Aug des Schmausers loh.

Da kaumwer diesen Baum erkennt
Als pilzbegabt, sei Bräutigam
Der Jungfrau, die der Volksmund nennt
Das Käppchen mit dem Rotgeflamm.
Mag zittern auch das Laub so bang,
Wie es das Sprichwort uns gesagt,
Wem solche Minnefahrt gelang,
Hat nie gezweifelt und geklagt.