Willkommen

Lebenslauf

Aktuell

Werke

Publikationen

Video

Leserstimmen

Verweise

Besucherbuch

Impressum
 
voriges Gedicht nächstes Gedicht

Aus »Marone und Morchel«. Gedichte 2009, Vers 24822 bis 24869

IM ELBENHAIN


Gewittrig war der Tag und heiß,
Ein Regen fiel, jedoch nicht lang,
Die Wiese dampfte nebelweiß,
Die Buchen schwiegen schwarz und bang.

Wir traten in den feuchten Hag,
Der Dämmer gab uns gänzlich frei,
Viel Totholz auf dem Pfade lag
Und schien als obs kristallen sei.

Und wie die Schwärze tiefer sank
Und sog des Wandrers Tageshast,
Ein Holzstoß ward zur Marmorbank,
Ein Kreuzweg gar zum Eispalast.

Ich nahm ein Stück das glühte hell,
Auf dutzend Schritte klar zu sehn,
Am Rucksack trugs der Weggesell,
So war es leicht ihm nachzugehn.

Was war das für ein stummer Spuk?
Wie konnt solch kaltes Leuchten sein?
Der feuchte Stecken glomm und trug
Ein Kleid so unbeschreiblich rein.

Nicht nur die Helligkeit bezwang,
Die Linien strahlten fest und klar,
Grad so als ob im Untergang
Etwas erglömm, was niemals war.

Dies ist der Elben Hochzeitsstaat,
So feierlich, daß keiner spricht,
Das Aug, das ins Geheimnis trat,
Wird satt an diesem Zauber nicht.

Wer nicht Magie als Grund bemüht,
Der weiß am Holz das Pilzgeflecht,
Doch wenn das Wunder prunkend glüht,
Gibt der Verstand dem Glauben recht.

Es zeigt sich, daß der Märchentraum
In jede Götterferne ragt,
Drei Schritt vom Tag im Haine kaum
Wir dir vom Vorzeit-Glanz gesagt.

Wenn Pilzen eignet solche Macht,
Dann wundert dich in diesem Dom,
Daß Dichters Wort nicht oft gedacht
Dem blütenlosen Erdengnom.

Das Volk, dem Dichter stets voraus,
Namt traulich und recht oft mir Graun,
Und teilt wie selten Schätze aus –
Wer wagte da nicht hinzuschaun?

Doch eh ich in die Wälder tret,
Die orchestriert wie niemand sunst,
Geh von der Wiese mein Gered,
Damit sich üb die hohe Kunst.