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Aus »Zwischen Dünwald und Pleiße«. Gedichte 2008, Vers 23798 bis 23837

AUF DEM EICHSFELD


Tyr, der Kriegsgott, der im Thüring weiter
Lebt, hat sich an diesem Land gemästet,
Wer da proviantiere, sieg und scheiter,
Mit Kanonen Feld und Stall verpestet,
Braucht sich um den Wechsel nicht zu scheren,
Der das Land zerschneidet und zerspellt,
Doch wenn die Bescheidnen aufbegehren,
Flaggt in schwarz das ganze Eichenfeld.

Wo die Jesuiten warn den Bauern
Näher als der sieche Lutheraner,
Wuchs im Gau die Kraft zu überdauern
Das Geschmeiß der Krittler und der Mahner,
Wo der Glaube sich verschloß den Bonzen,
Jeden Sonntag noch die Glocke schellt
Zwischen Lerchen ahndungsreich und bronzen,
Die erhört wird auf dem Eichenfeld.

Hier ist unser Heiland nicht Folklore,
Und der Weihrauch wirkt nicht abgestanden,
Einer Kanzel, nah am offnen Ohre,
Kam die Seele nicht wie sonst abhanden,
Hier ist noch die Botschaft froh und stimmig,
Und man weiß noch, wer der Herr der Welt,
Darum ist der Witz auch hintersinnig
Und gefährlich wie das Eichenfeld.

Mit der Stracke, Schmand und Martin selig,
Weiß das Volk, wer lebt nach seinem Wesen,
Ob Kartoffeln fest sind oder mehlig,
Brauchts den Brocken nicht und keine Besen,
Was von Hainich, Leine, Dün dem Ohme
Eignet, ist nicht feil für Silbergeld,
Darum braucht der Bauer keine Dome,
Denn der wölbt sich überm Eichenfeld.

Reich an Burgen ist das Land geblieben,
Wo auch Platz für Ase, Greif und Rhume,
Hier sind Plagen und die Weisen sieben,
Und der Dichter trägt die blaue Blume,
Hier besteht Vertraun, wenn alle zagen,
Und Gewißheit, daß uns Gott erhält,
Darum tönt das Lied vom gelben Wagen
Hell und heilig auf dem Eichenfeld.