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Aus »Rhön und Rennsteig«. Gedichte 2007, Vers 23234 bis 23281

SCHLEGEL


Wo das Pferd im Giebelschiefer
Auf dem einstgen Amte wacht,
Jäh der Pfad durch Kraut und Kiefer
Dreimal hundert Seelen dacht,
Holprig ist die Landesstraße,
Schwer schiebt hier der Bauer Kegel,
Über Mauern lugt der Hase,
Du bist eingekehrt in Schlegel.

Wer hier ankommt, darf erzählen,
Denn der Zeitung ist nicht wert,
Was man hier beim Apfelschälen
Und beim Schuhwichs still erfährt,
Wer schon immer abgelegen
War die Ausnahm von der Regel,
Grüßt den Sonderling auf Wegen,
Die im Grenzland führn nach Schlegel.

Saale ist hier fast zu riechen,
Auch die Orla fließt nicht weit,
Bald wird dir der Steig versiechen
Und mit ihm die Wanderzeit,
Auf den Höhn bist du gepilgert,
Wo nicht hausen Lurch und Egel,
Und der Bart ist dir verwildert,
Daß du nur gefällst in Schlegel.

Wappen zeichnest du mit Kreide,
Die dich riefen aus der Zeit,
Offenbarung ist die Heide
Für den Mann im Sängerkleid,
Du mühst nicht Gedankenspiele
Und der Zeiten Ziel wie Hegel,
Denn begrenzt sind alle Ziele,
Wo man arm ist wie in Schlegel.

Diesem Dorfe ward zum Sterne
Eichenalter Apfelbaum,
Auch der Kulmberg ist nicht ferne,
Er bezeugt den Gipfeltraum,
Böen fegen durch die Gärten,
Blähn das Kleid zum weißen Segel,
Flunkernd meistert Grau und Härten,
Wer geboren ward in Schlegel.

Diese Nacht wirst du hier bleiben,
Wo man trinkt und Karten spielt,
Wie im Schlangenreich der Eiben
Hast du stets zum Grund gezielt,
Geiger heben Bein und Röcke
Und das Bier den Stimmungspegel,
Daß schon viele Wanderstöcke
Blieben liegen hier in Schlegel.