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Aus »Orlagau«. Gedichte 2007, Vers 19853 bis 19916

ILSENSAGE


Da bei Oelsen letzte Cliden
Hausten mit Gewalt und Mord,
Liebte Ilsa sehr den Frieden
Und so ging sie heimlich fort,
Aus dem Karst, dem grottenreichen,
Drang Musik, so lieb und süß,
Daß sie nachging Ton und Zeichen,
Schauend, wer da komm und grüß.

Heimchen warns, die da im Dämmer
Pflegten, was von Riesen kam,
Ilsa wählte Stab und Lämmer
Und versprach, hier treu und zahm
Heimchenart und Brauch zu frommen,
Wo die Jugend ohne Grenz,
Und nicht mehr zu Tag zu kommen,
In die Aue, in den Lenz.

Silber, Gold und Edelsteine,
Warn da Blüte, Baum und Blatt,
Endlos strahlt der Schatz im Schreine
Dämmrig an der Sonne Statt,
Von dem nahen Krinnelsloche
Gab man Nixen ihr zum Spiel,
Doch die Maid vom Clidenjoche
Träumt vom Winde viel zu viel.

Schließlich gab man ihr ein Stückchen
Von des Himmels Lichtgesang,
Als wärs Lebenswassers Schlückchen,
Saß sie stets im Grottengang,
Bauern kamen in den Stollen,
Da sie hell und weise hieß,
Und mit ihrem guten Wollen
Gab sie Rat in dem Verlies.

Doch wo Welt ist und Geschichte,
Ist auch dem Versucher Raum,
Und des Godaminsteichs Nichte
Mischte sich in Ilsas Traum,
Und sie brach den Bann des Riffes
Und hieß Ilsa frei zu gehn,
Menschenschicksal, Ilsa griff es
Mit Verheißung und Gesehn.

Kommt ein junges Weib gelaufen,
Ists der Mannswelt rasch bekannt,
Und im Romberg-Riesenhaufen
Ward darob ein Kerl entbrannt,
Sie zu freien und zu führen,
Sie zu reihen ins Geschlecht,
Und den Wunsch nur noch zu schüren,
Hat die Absag sich erfrecht.

Lieb wird hart und Lieb wird bitter,
Kommt sie näher nicht dem Ziel,
Bald mit Hagel und Gewitter,
Jäh der Ries ins Auland fiel,
Da sie weidend in den Sprengel
Trat, da ihm Gewalt und Macht,
Blieb zurück ihr guter Engel,
Und sie sank in Bann und Acht.

So haust sie bis heut in Schrunden,
Draus dich narrt ein feines Licht,
Und der Bann wird überwunden
Erst am Ende der Geschicht,
Wenn die Heimchen wiederkommen
Und noch einmal falln die Ries,
Und den Heiden wie den Frommen
Leuchtend blaut das Paradies.