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Aus »Orlagau«. Gedichte 2007, Vers 19422 bis 19469

BISMARCKTURM


Wächter mit gezackter Zinne,
Über Neustadt weit zu sehn,
Oft war ich des Wunsches inne,
Auf dem Turme frei zu stehn,
Doch die Stiege blieb verschlossen
Immer wenn ich kam als Kind,
Und ich hab da nie genossen
Aussicht und den Wipfelwind.

Blaubeern gabs am Hang in Mengen,
Wer da jung, hat nie genug,
Süße in den Schlund zu drängen,
Ich nach Flecken niemals frug,
Doch der Turm blieb unversöhnlich,
Heller Sandstein, hart und zu,
Und wir gingen dann gewöhnlich
In die Klause Heinrichsruh.

Gehst die Hohe Straße heiter,
Die noch weiß vom Alten Reich,
Findst die Sachsenburg und weiter
Lichtenau und Tiefen Teich,
Dorten und auch an der Achte
Machte Sommer uns zum Faun,
Als man Spätgekommner lachte,
Die noch immer gar nicht braun.

Oft traf uns des Lehrers Tadel,
Weil der Nam des Turms tabu,
Bös und schimpflich galt wer Adel
Und ein Preuße noch dazu,
Doch dies hat uns bloß erheitert
Und wir haben nie geschluckt,
Daß ein deutscher Junge scheitert,
Der bei solchen Regeln muckt.

Später hab ich erst erfahren,
Daß die Leut, zu ehrn den Mann,
Dieses Turmes Schöpfer waren,
Stolz, daß er das Reich gewann,
Diesem Volke zu verbieten,
Daß es seine Sache glaubt,
Brachte wenig Gunst den Nieten,
Denen Marx das Hirn geraubt.

Heut darfst wieder Bismarck sagen,
Aber bitte nicht zu laut,
Denken Deutsche deutschen Tagen,
Gleich ein böses Zeichen schaut,
Doch der Wanderer will hoffen,
Daß da einmal Aussicht sei,
Daß die Tür des Turmes offen
Und die deutschen Lande frei.