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Aus »Babylon des Worts«. Gedichte 2007, Vers 17472 bis 17511

IM SPEICHER


Als Stiege dient die Leiter,
Die eine Sprosse ließ,
Doch steige hurtig weiter
Hinan ins Paradies,
Wer das Geschwätz der Schranzen
Nicht mag noch Küchenkrach,
Den grüßen Floh und Wanzen
Im Speicher unterm Dach.

Zwar ist verpönt die Kerze,
Der Leser nutzt sie doch,
Er dichtet in der Schwärze
Und lugt durchs Eulenloch,
Er läßt den Wind berichten
Und Tropfen, hart im Fach,
Und langweilt sich mitnichten
Im Speicher unterm Dach.

Wer reinen Herzens rastet,
Dem ist im Schlichten gut,
Der schlemmt auch wenn er fastet
Und singt mit hohem Mut,
Wo Eifer, Zank und Fehde,
Den Bürger hält in Schach,
Da reimt sich Sinn und Rede
Im Speicher unterm Dach.

Hier läßt sich manches finden,
Vielleicht ein altes Schwert,
Was störte in den Spinden,
Ist nun der Ansicht wert,
Wer gräbt in solchen Tiefen,
Ruft manch Geheimnis wach,
Und auch ein Horn zum Hiefen
Im Speicher unterm Dach.

Der Ton aus andern Altern,
Die wir erinnern kaum,
Auf Aun, besät mit Faltern,
Entführt des Bläsers Traum,
Wo Honig, Milch und Butter
Nicht kennen Weh und Ach,
Daß wie der Schoß der Mutter
Der Speicher unterm Dach.