Willkommen

Lebenslauf

Aktuell

Werke

Publikationen

Video

Leserstimmen

Verweise

Besucherbuch

Impressum
 
voriges Gedicht nächstes Gedicht

Aus »Babylon des Worts«. Gedichte 2007, Vers 17512 bis 17559

DAS HAUS DES TRAUMS


I

Das Haus des Traums hat eine große Diele,
Und mancher trabt zu Pferde hier herein,
Und gibt es der Gemächer hier auch viele,
Die meisten möchten nicht in Kammern sein.

Hier prunkt vor dem Intimen das Gemeine,
Wo nie das Feuer lischt, die Klampfe schweigt,
Hier ist die Stiege kurz zum Hort der Weine,
Dem Bild der Toten, wer hier kommt, sich neigt.

Hier sind der Mut, der Rausch und die Geschichte
Nicht vor dem Sturm und Fluten eingedeicht,
Hier finden sich die Stände im Gedichte,
Das in den Himmel und ins Grauen reicht.

Und manche derbe Rede darf hier unken,
Sich mischen einem Bart im Glast des Schaums,
Und wers nicht weiß, dem sei gesagt, nur trunken
Findst du den Pfad hinein ins Haus des Traums.


II

Das Haus des Traums ist kein fragiler Leuchter
Aus Seide, Pergament und vielen Spiegeln,
Es zeigt sich derb und nach dem Regen feuchter,
Und lobt den Backstein vor den Klinkerziegeln.

Hier gleißt kein Marmor, drüber Nymphen huschen,
Arachne stört kein Besenschwung beim Weben,
Die Erde selbst darf Übelkeit vertuschen,
Hier ist zuhaus, was heimisch ist im Leben.

Die Derbheit aber ist nicht ohne Flitter,
Die Ampeln passen zwar nicht recht zusammen,
Sie duften nach dem Brand und Kriegsgewitter
Der Burgen, die sie sahn mit allen Schrammen.

Was hier sich anhäuft, will und muß erzählen,
Wem solche Kunde schwerfällt zu ertragen,
Der soll sich eine andere Bleibe wählen
Und niemals in das Haus des Traums sich wagen.


III

Das Haus des Traums kann niemand mehr erbauen,
Und stünds nicht längst, wär alle Welt verlorn,
In einer Zeit, wo solches nicht zu schauen,
Bliebst besser du für immer ungeborn.

Es ist begabt mit sicherem Instinkte,
Wer hier hereindarf und wer draußen bleibt,
Dies heißt nicht, daß dem Unflat Ausschluß winkte,
Weil seine Ordnung streng nicht kleinlich schreibt.

Wer reinwill, ist längst drin, und wems ein Schrecken,
Den führn hinein nicht Los noch Mißgeschick,
Es zinst der Steuer nicht noch andern Zwecken,
Und nie war jemand hier mit Zahlenblick.

Ihm ist die Zeit wie Wellen sind dem Schiffe,
Auch füllt sichs nicht zur Last des freien Raums,
Man faßt es nicht mit sonstigem Begriffe,
Drum spricht man einfach nur vom Haus des Traums.