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Aus »Das Jahr des Heils«. Gedichte 2006, Vers 15820 bis 15847

PALMARUM


I

Durchs Löwentor auf einem Esel reiten
Auf Palmenblättern, die gebührn dem Siege,
Daß darin unser ganzer Glaube liege,
Wird niemand, der das Bild versteht, bestreiten.

Triumph und Demut teilen sich die Riege,
Der Weg wird nicht allein zu Schmerzen leiten,
Zuletzt darf nicht der Tod den Mantel breiten,
Denn der da kommt, tut, daß die Nacht verfliege.

Der Esel ist ein guter Freund des Armen,
Und herrisch ist er nicht zu rührn und lenken,
Er neigt sich nur dem Wort, dem herzenswarmen.

Wer Feuer liebt, wird von ihm schäbig denken,
Doch deiner Last weiß der sich zu erbarmen
Und wenig mußt du seinen Wünschen schenken.


II

Im deutschen Brauch die Palme ist die Weide,
Die Wedel aus den Kätzchen sind uns feiler,
Im ganzen Reich bis in den letzten Weiler
Des Anfangs wird gedacht vom großen Leide.

Nicht gut tun uns exotische Verteiler,
Denn unser Herr geht uns in unserm Kleide,
Palmwedel sind uns grad wie echte Seide,
Dies ist so wie ein Löwenschwanz am Keiler.

Nicht Jordan-Fischer, sondern Saal und Elbe
Gehn dem zur Hand, der nicht von fremdem Stamme,
In jedem Volk sieht anders aus dasselbe.

Wir sind vertraut dem Esel und dem Lamme,
Uns scheint die rote Sonne wie die gelbe,
Doch Nebel macht uns knisternder die Flamme.