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Aus »Das Jahr des Heils«. Gedichte 2006, Vers 16364 bis 16403

DIE ZAHL DER ENGEL


Die Zahl der Engel, sag, wer kann sie nennen
Im Lauf der Welt, im Himmel einst und je,
Wenn Bilder unsern Geist mit Macht berennen,
Wer mag noch Ordnung und System erkennen
Vom Fischerboot mit Blick zum Gipfelschnee?

Wir zählen nur, was wir so überblicken,
Den Staubgefäßen einer Blüte gleich,
Doch nichts vermag den Fleck im Aug zu flicken,
Die Schrift kann auch nur Näherungen schicken
Für jene zwischen Licht und Totenreich.

Wer je dem Schlag der Schwinge unterlegen,
Der fragt nicht mehr, wie oft dies möglich sei,
Was einmal sehrte, wird ihn stets bewegen,
Und keiner fragt, ob ihn derselbe Regen
Durchnäßt und ob ein andrer Kranich schrei.

Die Frage zeigt allein, daß unser Denken
Nie absieht vom Gefängnis: Schritt und Uhr.
Es mag sie krümmen und sich selbst verrenken,
Und listig jeden Sinn nach innen schwenken,
Es west im Takt und schaut in der Figur.

Der Glaube soll die düstre Grotte brechen,
Nicht dergestalt, wie Kraut und Pilze tun,
Wie Wasser das Gebälk und Pfeiler schwächen,
Auch nicht als Labyrinth verlaßner Zechen,
Er flügelt uns im Herzen und an Schuhn,

Daß wir, was je wir tun, wir froher, freier
Beginnen, weil die Gnade offenbar,
Daß wir nicht abseits stehn der Erntefeier
Der Schöpfung, die entsteigt dem Nebelschleier,
Der einst in Eden eine Baumfrucht war.

Der Bote, der uns hilft, das Offenbare
Geheim und alles Dunkel hell zu sehn,
Er nimmt die Dinge aus Funktion und Ware,
Daß schon der Kiesel den Beruf erfahre
Und wir mit Acht und Dank darübergehn.

In ihm sieh stets den Herrn und ob uns viele
Von seiner Art umschweben, zähl gering,
Wie auch ob Einfalt oder Macht im Spiele,
Wenn einer bürgt für Anfänge und Ziele,
Darin erlöst das Leiden, Tat und Ding.