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Aus »Das Jahr des Heils«. Gedichte 2006, Vers 16218 bis 16315

PFINGSTHYMNUS


I

Im Pfingstbaum ehren wir den frühsten Hirten,
Den Baum, der Wurzel, Stamm und Krone wagt,
Solang der Baum belaubt in Himmel ragt,
Wird Gott auch uns erhalten und bewirten.

Weltesche, dran im Neid der Drache nagt,
Die Feige, drum die Liebespfeile sirrten,
Wo Eva sich und Adam einst verirrten,
Lud sie der Baum, darauf die Schlange klagt.

Mann, Frau und Kind erkennen ihn als vierten,
Der unter Wind und Wettern nicht verzagt,
Wenn panisch Glocken und Geschirre klirrten.

Er wacht zur Nacht und raschelt, wenn es tagt,
An Schwalben reich, die sein Gezweig durchschwirrten,
Und heute sei ihm Dank und Heil gesagt.


II

Im Pfingstkranz wird das Laubicht uns zum Reigen,
Zum Bund, der Schöpfer und Geschöpfe eint,
Was fest und dabei vielgestaltig scheint,
Es ist ein Gruß, das Weltgesicht zu zeigen.

Hier schweigt der Einwand, der sonst krittelnd meint,
Er wüßte einen reichren Weg zu zeigen,
Was lebt, muß sich dem großen Wunder neigen,
Daß sich beschämt verzieht der alte Feind.

So hängt der Himmel nicht nur voller Geigen
Für die Apostel, wenn der Geist erscheint,
In keinem Auge kann der Maitag schweigen.

Und wer noch abseits steht, verstockt verneint
Die Lieder, die aus Hamm und Rode steigen,
Der faßt den Kranz aus Birkengrün und weint.


III

Als Pfingstochs trabt das Kräftigste der Tiere
Geschmückt mit Blumen, Stroh und buntem Band
Zur Weid, derweil sich Volk zusammenfand
Bei Laugenbrot und Wurst und starkem Biere.

Dem Kundigen scheint dieser Brauch verwandt
Den Boten aus dem Weltenjahr der Stiere,
Das Dolmen und die mächtigen Menhire
So üppig streute in das flache Land.

Die Kraft den Geist wie keine Tugend ziere,
Er baut das Haus und hält das Recht instand,
Daß auch kein Turm den Wetterhahn verliere.

Und wider Vorurteil und Ignorant
Entwickelt er die Stoßkraft der Geysire
Für jedes Alter und für jeden Stand.


IV

Die Pfingstnacht steht bereit für Dorfkrawalle,
Hier dürfen Unfug, Lärm, Versteckensspaß
Die Ordnung höhnen und das fromme Maß
In Flur und Feld, in Stuben und im Stalle.

Manch einer füllt dein Brett mit Ziegenfraß,
Manch andrer sorgt, daß dir der Boden knalle,
Die Stiege ist verstellt und wem sie Falle,
Bemerkt, daß er das Datum wohl vergaß.

So mancher neckt mit Schnecke, Krebs und Qualle,
Doch du streust Kreidespuren in das Gras
Vom Baum, gepflanzt, zu deiner Liebe Halle.

Die Rätsel rings sind dir wie blankes Glas,
Sie kehren und nach Jahren kennst du alle,
Denn du bist hier im Dorf ein alter Has.


V

Im Pfingstzelt sind die Wandervögel draußen
Im Heideland, die Klampfe trägt das Lied,
Nur Gottes Dom mit Fels und Forst und Ried
Ist groß genug, daß drin die Wilden hausen.

Gesang und Wanderschaft sind ein Gebiet,
Wo Ernst und Andacht sich vermähln mit Flausen,
Doch läßt der Schulmann Stock und Fibel sausen,
Erkennt er rasch, wie pfingstlich es erzieht.

Hier teilt sich Leben nicht in Müh und Pausen.
Die Freiheit, die der Stubenhocker flieht,
Nicht die Franzosen noch der Teufel grausen.

Die Königskerzen stehn in Reih und Glied,
Doch wenn die Jungen rings die Kirschen mausen,
Weiß nur der liebe Gott, wie ihm geschieht.


VI

Im Pfingstbrauch dürfen alte Götter wachen,
Der Herr lädt alle ein zu Wein und Brot,
Die Menge hat genug von Wintersnot,
Und treibt es toll und läßt es richtig krachen.

Der Geist bringt Lust und wilde Kraft ins Lot,
Und übern Rhein fahrn wir im schwanken Nachen
Am Ufer Reisigstöße zu entfachen,
Bis in der Nacht der alte Vater rot.

Die Kirche braucht das Reich, wie Trutz die Schwachen,
Denn über Weid und Acker reitet Tod,
Entreißt nicht Pfingstgeists Zwiehand uns dem Rachen

Der Hölle, die nicht Milde und Gebot
Alleine bannen, denn getrennte Sachen
Sind niemals Heil und Reich und Rom und God.


VII

Im Pfingstfest wird die Hochzeit auf dem Lande
Wer Ostern sich verlobt, hat pfingstens recht,
Der Pfingstgeist eint die Gnade dem Gefecht
Und bringt nur so des Deutschen Reich zustande.

Versöhnt sind Krone, Gilde und Geschlecht,
Der Herr vergibt die Schwachheit und die Schande,
Denn Haß und Neid verliefen sich im Sande,
Und auf dem Fest da schweigt sogar der Specht.

Der Pfingstgeist weiht die festgeschloßnen Bande,
Und schützt was stark ist, gottgewollt und echt,
Und niemand steht in seiner Huld am Rande.

Das Wunder, das kein Philosoph erdächt,
Du küßt das Schwert und kniest im Brautgewande,
Da lilienweiß dich krönt das Kranzgeflecht.