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Aus »Deutsche Passion«. Gedichte 2006, Vers 14064 bis 14098

DER PUNSCH


Wir wandelten auf Höhn, wo spät und trunken
Der Herbst das Wort mit Leichtigkeit begabt
Und frei und froh, sie in sein Gold zu tunken,
Die Stimme flügelt, die im Herz versunken
Des Hegers harrt, der sie mit Honig labt.

Beseligt überließen wir dem Reigen
Der Melodien, von Prunk und Glast umstellt,
Was wir gewöhnlich in die Zeit verzweigen,
Als gälte es, die Seele weiß zu zeigen,
Zu fallen aus dem Streit von Traum und Welt.

Jedoch der Gilber, der in seiner Leuchte
Noch einmal, was das Jahr uns bot, beschwor,
Fiel mit dem Tag, und aus dem Tal der Feuchte
Kroch Nebelung mit Grimm und Groll und scheuchte
Die Sonne, deren Blut im Weinberg fror.

Wir spürten wohl ein Ziel in unserm Schreiten,
Doch keinen Namen, keinen Reim im Wunsch
Nach Einkehr, Erde, und den Geist zu weiten,
Nach Süße und Essenz der Jahreszeiten,
Da bot ein Kind am Straßenrand uns Punsch.

Aus welchem Reich, mit welchem Aug betrachtet,
Tritt dieser Knabe ein und lächelt scheu?
Das Haus, verfallen, lichtlos, still, beachtet
Kein Wanderer, wenn ihn der Rausch umnachtet,
Entquollen aus dem dampfenden Gebräu.

Sein Zauber, als wir zueinander traten,
Erschien auf deiner Stirn und hell und klar
Im Blick, als hätt ein Engel dir verraten,
Was uns die Stunde schlug und welche Taten
Wir niederstelln auf seines Herrn Altar.

Nicht daß er uns in dieser Fährnis feie
Noch daß die Schau, die er verhieß, uns ein –
Die Hoffnung bleibt ein Truggebild für Freie,
Doch hat uns das Mysterium der Weihe
Tiefrot vertraut im hold gewürzten Wein.