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Aus »Deutsche Passion«. Gedichte 2006, Vers 14545 bis 14616

QUESTENSCHATZ


Im langen Kriege blieb kein Fleck
Verschont von Söldnern, Raub und Gier,
Man nahm dem Bauern alles weg,
Das Saatgut selbst und jedes Tier.
Wer Gold und Silber nannte sein,
War dieses Schatzes nicht mehr froh,
Denn Plündrern ists ein Freudenschein,
Krönt ihren Übermut die Loh.

In Questenberg drei Brüder warn
In großer Sorg um ihren Schatz,
Denn dauerhaft würd nicht ersparn
Die Abgelegenheit die Hatz.
Sie kamen schließlich überein,
Die Höhlen sein ein sichrer Ort:
Hier traut sich wohl kein Fremder rein,
Und nimmt uns Vaters Erbe fort.

Sie stiegen in den dunklen Schacht
Und suchten einen Platz mit Plan,
Schon bald war alles hergebracht,
Und jede Spur mit Staub vertan.
Nicht lang darauf in bösen Jahrn,
Hieß es bei Schwed und bei Kroat,
Wo stets nur Hungerleider warn,
Sei dir der Weg ins Dorf zu schad.

Dann kam der Frieden, und die drei
Begehrten nun ihr Gut zurück,
Doch grad als ob verhext es sei,
So hatten sie kein Finderglück.
Der Streit lag in der Luft, ob wer
Von ihnen ein Betrüger sei,
Doch Einsicht stellte Eintracht her,
Daß ohne Gold doch alle drei.

Daß jemand hätt den Schrein entdeckt,
War möglich nicht in dieser Welt,
Sie hattens nicht nur gut versteckt,
Es waren Fallen aufgestellt,
Hätt jemand diese zwar geahnt,
Ganz spurlos wär dies nicht geschehn,
Von außen war kein Weg gebahnt,
Auf das Geheimnis zuzugehn.

Sie grübelten, wie es geschah,
Daß Gold und Silber wie ein Hauch
Verschwanden, wo doch niemand da,
Als nur des Berges dunkler Bauch.
Als Lösung einzig möglich blieb,
Obs auch verwundert und verstört,
Der Questenberg war selbst der Dieb,
Im Meinen, daß ihm dies gehört.

Obgleich kein Richter solches rächt,
Sprach schließlich einer von den drein:
Uns scheint die Lage ziemlich schlecht,
Doch könnte es nicht wirklich sein,
Daß was man schürft an Erz und Glanz
Im Glauben, Gott hätt dies erlaubt,
In Wahrheit heißt ein Unrecht ganz,
Weils die Gewalt dem Berge raubt?

Dann ward uns Gnade wohl zuteil,
Daß keiner uns als Hehlern gram?
Mir schafft das Traun auf Schatzes Heil
Zunehmend Bitternis und Scham.
Drauf sprach der andre wie befreit:
Und ward im Krieg nicht Pest und Spieß,
Wärs möglich nicht, daß dieserzeit
Der Berg uns seine Huld bewies?

Darauf der dritte: Lobet Gott,
Wir sind gesund, der Mai ist feucht,
Entgangen Folter und Schafott,
Lockt uns im Feld das Taugeleucht.
Die Krume drückt uns Jahr für Jahr
Die goldnen Ähren in die Hand,
Der größte Schatz, dies seh ich klar,
Bleibt immer unser gutes Land.