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Aus »Deutsche Passion«. Gedichte 2006, Vers 14455 bis 14544

FÜNF BURGEN


Fünf Burgen hat die Kaiserpfalz zu Wimpfen
Als Tugendpreis der Ritterschaft geschart,
Und über Flegeln, die im Auland schimpfen,
Den Possenreißern, Parvenüs und Pimpfen
Erfreun sie sich der hohen Gegenwart.

Nur wer sich scheut, die Stätten aufzuspüren,
Ist ausersehn, zu ahnden, was sie eint,
Denn was Gestalt gewann, dich zu verführen,
Ist nur ein Abglanz durch verschloßne Türen,
Als sei der Traum durch Zauberwort versteint.

Der Stolz ist eines Ritters erste Gabe,
Der Kleingeist nennt zuerst die große Tat,
Auch achtet er die Ritter nur im Grabe,
Und spottet sonst das närrische Gehabe
Der Fahrenden im Traum von Monsalvat.

Doch dies soll unsre Kreise hier nicht stören,
Allein der Stolz, den nichts bedingt, macht frei
Zu Taten, die dem Dichterwort gehören,
Er ist das Pfand, dem Höchsten zuzuschwören,
Daß noch ein Mann in seinem Dienste sei.

Von Stolzeneck zur Minneburg der Erde
Spreng, daß dem hehren Ich ein holdes Du
Erblüh, und schlägt das Herz geschwind zu Pferde
Füg dem »Es sei« ein zarteres »Es werde«,
Dem Schwertgeklirr den Harfenton hinzu.

Und doch, dich wird schon bald die Lerche mahnen,
Daß du der Adler bist, den niemand hält,
Dein Element ist leicht und deine Bahnen
Magst du nicht länger im Verweilen ahnen,
Denn nur die Fahrt verwandelt Traum zu Welt.

Die Welt hat große Schätze ausersonnen
Für einen, der das Bad im Drachenblut
Nicht scheut, und manches Quellgeraun, verronnen,
Hebst du aus seiner Nacht in deinem Bronnen,
Und manches Leid wird für den Guten Gut.

Nur wer im Glück, das Dankbarkeit bereitet,
Zu nehmen weiß, nichts braucht, doch was ihm frommt,
Bewahrt und wer als Herr durch Güter schreitet,
Das Lehen mehrt und allem Feind bestreitet,
Der ist gefeit in allem was da kommt.

Der braucht sich keine Gründe auszusinnen,
Daß Segen ruh auf seinem Weg und Werk,
Und niemals werden echtes Gut gewinnen,
Umstürzler, die aus Rachsucht Streit beginnen,
Auf Gottvertraun erhebt sich Guttenberg.

Sind Sorgen auch des Ritters nicht, beschwere
Doch eine das Geschick in seiner Hand,
Wie er ihr treu sei und sie ständig mehre,
Lenk deinen Blick hinauf zum Berg der Ehre,
Das Feuer, das die Waffen hart gebrannt.

Kein Mißgeschick, kein Urteil kann sie bannen,
Solange du nicht in Verzagtheit harrst,
Und was die Philosophen nie ersannen,
Ist Eros, der regiert im Kampf der Mannen
Und auch das Schwert fügt, das der Faust zerbarst.

Er ist der Mittler und das Band der Burgen,
Er hat an allen Elementen teil,
Und auch der Kaiser, sein Gefolgsmann, fuhr gen
Italien, warb im Schatten des Demiurgen
Um ältre Würde und um ältres Heil.

Ließ ihn die Göttin, die dem Wogentanze,
Dem Schaum entstieg, am heiß erkämpften Riff
Im Vagen? Doch, flog nicht der Zug durchs ganze
Christliche Abendland wie deine Lanze
In gutem Wurf, und hieß das Heil nicht: Triff?

Nicht in Historien ist der Traum zu fassen,
Der sich zur Tugend jenen Reif gewann,
Wie Schätze, die nur in die Zeiten passen,
Da sie vergessen prunken und verlassen
Und sie allein der Dichter preisen kann.

Das fünfte Element, der Sphären-Äther,
Der Traum von Reich, Burg Reichenstein,
Rührt nur noch mit Legenden an den Täter
Im fernen Sarazenenland, der später
Als Drache mit der Perle spielt, allein.

Im Kyffe soll er schlummern, allem Reifen
Entrückt, die Treuen in Schlacht zu führn,
Auf Zinnen, die es nicht gelang zu schleifen,
Erscheint dir seine Gegenwart zum Greifen,
Und nachts im Traum weißt du ihn oft zu spürn.

Du hast wie er die Kaiserpfalz verloren,
Und auch im Burgenkreis bliebst du nur Gast,
Doch wärest du zum Ritter nicht geboren,
Du hättest sie zum Aufenthalt erkoren
Und hättest dich in Stein verwandelt, fast.

Du aber siehst den Adler, der im Blauen
Sich wiegt und dir den Göttertag verheißt,
Daß du in seiner Huld dem Reich vertrauen,
Daß du ihm gleichen kannst im hohen Schauen,
Ist Heils genug und alles was du weißt.