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Aus »Fliederblüten«. Gedichte 1981, Vers 305 bis 352

ELEGIE


Die großen Vögel kehren aus den Schwärzen,
Aus nackten Himmeln, sternenlosen, blinden,
Im Sturm der Schwingen loschen Herd und Kerzen,
Und niemand wird die Sonne wiederfinden.
Ein Schrei, erstickt, die Worte auszumerzen,
Die Echsen, die sich todwund weiterwinden,
Die Blitze und die Horizonte blauer
Erleuchtung leiten meinen Gott der Trauer.

Ich lag im Hain, verspielten Rufgeräuschen
Der Lauscher, der auf seine große Stunde
Die Muster träumt und, Fliegen fortzuscheuchen,
Die Hand nicht hebt und im geschloßnen Munde
Melancholie, die niederfiel zu täuschen,
Begehrt und heimführt, wenn vergeßner Kunde
Die Bilder dichten, vor der Zeit gewußte,
Ein Träumer, der den Traum vergessen mußte.

Ein Land, von Bergen, wild gezackt, umrandet,
Die pfadlos sind, und nur dem Flügel offen,
Verhießen Klippen, manches Wrack, gestrandet,
Und Jahre, die auf hohe Einsicht hoffen.
Ein Adler, der im Innersten gelandet,
Verriet nichts als die unbegehbar schroffen
Begrenzungen, die er zu überfliegen
Die Sonne focht, nach höherm Glanz verstiegen.

Mir wird das Haupt kein Rat, kein Weckruf heben,
Und auch die Sanduhr wird kein Heros drehen,
Nur manchmal spricht die Glocke, daß das Leben
Verrinnt bei dem Versuch, es zu verstehen.
Jedoch die Ahndung zittert im Epheben –
Und was verschwommen mag mir ganz verwehen
Die Hütten wie die falternden Paläste
Im Wind, der von der Linde reißt die Äste.

Kein Sturm, doch Stimmen, bohrend und verstiegen –
Sie suchen wohl, daß ich mich noch ermanne?
Was gilt die Zeit vor hoffnungslosen Kriegen
Dem Traurigen, der leise seufzt im Tanne?
Zum Bogen werd die Esche ich nicht biegen,
Kein Luchs wird sehn, daß ich die Sehne spanne.
Was für ein Los geworfen ist dem Müden?
Weiß es der Zug, der herkommt aus dem Süden?

Die großen Vögel kehren aus Gefahren,
Verborgenen, solang uns Tag behütet.
Sie sind der Himmel, Flur und Flut zu paaren,
Wenn Erde bebt und das Gewitter wütet.
Doch wer, wenn sie sich diesmal offenbaren,
Hebt blitzgezeugt und irden ausgebrütet
Das Horn um Stoß und überwölbt mit Dauer
Die große Stunde für den Gott der Trauer?