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Aus »Idäisches Licht. Zweites Buch«. Gedichte 2006, Vers 12846 bis 12885

AMORGOS


Stillste der Inseln im Raum der ägäischen Wunder,
Einzig in Hellas, den Göttern gewidmet, die Lärm
Hassen wie unter dem Meere die silberne Flunder
Feuer zu schlagen nicht Jaspis begehrt oder Zunder,
Niemals erhoffend, daß wohlig die Lohe sie wärm,

Schafft dich der Bildhauer neu im unsäglichen Dulden
Weiblicher Torsi, vorklassisch, dem strengeren Stil
Fern, aber reich in der Anmut begehrlicher Mulden,
Daß sich die Dichter vor Eros verstummend verschulden
Und ihre Werke verbrennen am Ufer des Nil.

Groß ist das Reich an Metallen, an Erden und Erzen,
Darin der Meister das Schweigen zur Kore verstofft,
Tempel, darin ihre Haltung uns gehe zu Herzen,
Mag unsern Ahnen begehrlicher sein als die Kerzen,
Darin die Kirche das Heil der Verstorbnen erhofft.

Kargeste Schönheit der Bronze, Granit und Basalten
Nah wie das Weib, das uns alle zu Weltkriegen spornt,
Unter dem Schwert des unendlichen Fundus der Alten
Mag deine Reize der Schläger und Dichter gestalten,
Der sich ein Auge gewinnt und sich eines durchdornt.

Sanfte Kyklade, von Räubern begehrt und in Schäumen
Wogengegerbt als von Stürmen umworbenes Riff,
Polemos mag dir Gedächtnis verwehrn und versäumen,
Aber die Einsamkeit wird ihre Kehr hier erträumen
Wie ein gestrandetes, felsenverwundetes Schiff.

Wuchtig und rundum zerrissen von klaffenden Buchten,
Weiß wer zuhause die Muschel bläst wie für ein Kind,
Maultieren treu, daß dem Dichter die Stille nur fruchten
Wird, wenn er meidet die Ablenkung zahlloser Fluchten,
Die der Versucher für all seine Schwächen ersinnt.

Wär es dir freigestellt, Herz oder Heil zu verpfänden,
Gäbst du das Heil, daß den Göttern gewährtes Asyl
Blieb unverletzlich, denn ihren Äon zu beenden,
Stehen die Waffen bereit, und geraubte Legenden
Würden dir Seele vergiften, wie Leib und Gefühl.

Hartes Gestein, das die Moose und Flechten verfärben,
Kreta verpflichtet und treu seit minoischer Zeit,
Mögen die Götter sich aufgeben, siechen und sterben,
Tempel geschleift sein und uns die Heroen enterben,
Aber die Insel hält göttliche Träume bereit.