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Aus »Idäisches Licht. Erstes Buch«. Gedichte 2006, Vers 10531 bis 10578

MITTELMEER


Wenn es still wird in der Seele,
Fraglos wird, wofür wir stehn,
Glaub nicht, daß dein Auge fehle,
Inseln grün und weiß zu sehn.
Wenn zu scheiden Leid und Lachen,
Uns das Licht, zu hell, zu hehr,
Wenn uns eins wird Schlaf und Wachen,
Rauscht im Herz das Mittelmeer.

Wo die Götter sichtbar schritten,
Unverschont von Wahn und Weh,
Zeichen in den Ölbaum schnitten,
Die uns leuchten auf der See,
Wo sie Sterblichen sich mischten
Und im Traum der Wiederkehr
Ihre Fremdheit ganz verwischten,
Thront der Schaum im Mittelmeer.

Offen und begrenzt wie keines,
Was im Licht des Helios treibt,
Hort des Schreckens, Gold des Scheines,
Den erringt, wer Sieger bleibt,
Urbaß der Tragödien-Chöre,
Schlick und Tang, von Zeiten schwer,
Wenn der Himmel uns verlöre,
Führt uns heim das Mittelmeer.

Herrlich das Geschlecht der Mannen,
Herrlicher der Sehnsucht Pfeil,
Denn das Glück, das sie ersannen,
Galt nicht einem fremden Heil,
Tranken sie den dunkelroten
Wein, gestützt auf ihren Speer,
Dann erzählten ihre Toten
Von der Fahrt im Mittelmeer.

Zeitlos muß das Muster gelten,
Das mit dieser See gelang,
Selbst ein Schöpfer ferner Welten
Beugte sich vor diesem Rang.
Trüg ein Wesen Maß und Laune
Seiner Tat wie wir so sehr,
Gliche es wie wir dem Faune
Und sein Reich dem Mittelmeer.

Kommst du spät und aus der Ferne,
Gib dich hin und gib dich ganz,
Wie das Volk in der Taverne
Lieb den Leichtsinn und den Tanz,
Daß der Strom der Zeit sich wende,
Trag nicht Hoffnung noch Begehr,
Denn dein Licht ist die Legende
Und dein Traum das Mittelmeer.