Willkommen

Lebenslauf

Aktuell

Werke

Publikationen

Video

Leserstimmen

Verweise

Besucherbuch

Impressum
 
voriges Gedicht nächstes Gedicht

Aus »Traum von Atlantis«. Gedichte 1994, Vers 8890 bis 8929

UNDINE


Spätling des Schöpfers, der ernsteren Dingen entsagte,
Haar, das herabfließt von Gletschern in heiligem Weiß,
Schelmin im Zwielicht der Stunde, noch ehe es tagte,
Lockst du das Licht in die Au und die Fluten des Mais.

Leichtesten Fußes, der ruhende Spiegel nicht brechen
Mag, wenn dein Antlitz zuweilen in Tagträume taucht,
Bist du im Garten, wo Früchte Erkenntnis versprechen,
Kind, das die Rollenden einzig zu Ballspielen braucht.

Ganz im Gestilltsein des ruhenden Gottes geschaffen,
Aug, das berührende Blicke mit Blau überschwemmt,
Blinzelst du zag unterm helleren Klange der Waffen,
Wandelt sich Winter vom Pelze zum lausigen Hemd.

Ob du errätst, was im Weidicht die Rohrdommel flötet?
Ob du erahnst, was der Dichter der Trollblume singt?
Wunder der Feuchte im Kuß und die Träne, die tötet,
Bist du die Schmelze, die nächtliches Hochwasser bringt.

Kosend umschlängelt der Arm, da er bräutlich erblühte,
Zungen des Landes, die selten ein Jüngling betritt,
Strudeln vertraut und unendlich versunkener Güte,
Wogen, darauf nach Atlantis der Meeresgott ritt.

Herzraum, darin sich die Bäche der Wiesen vereinen,
Treue, die rein in den Wolken-Verwandlungen bleibt,
Nährst du im Lachen die flackernde Flamme des einen,
Der dein Zerfließen in prächtigen Bildern beschreibt.

Lust, als Fontäne die silberne Haut zu verschwenden,
Strahl, der den Weidner in grundloser Hingabe netzt,
Aber das lenzen beschriebene Blatt muß sich wenden,
Eh noch der Schnitter den ersten der Halme verletzt.

Hörner des Krieges und Hörner des Königs erschallen,
Über dem Fluß, der so leichthin sein Erbe verriet,
Bist du erneut durch den offenen Spiegel gefallen,
Weil sich dein Herr mit gestatteten Freuden beschied.

Traube zerbirst und das Laub rottet hin im Oktober,
Säfte die heimkehren, ließen die Gerte erschlafft,
Nebel verbirgt, doch der Reim ruft am Ende den Lober,
Zeugnis des Sängers, der alle Erinnerung schafft.

Schwester im Grenzland der Stunde noch ehe es tagte,
Botin des Glücks, aller glücklichen Botschaften bar,
Spätling des Schöpfers, der ernsteren Dingen entsagte,
Kehrst du zurück in die Einheit, die uranfangs war.