Willkommen

Lebenslauf

Aktuell

Werke

Publikationen

Video

Leserstimmen

Verweise

Besucherbuch

Impressum
 
voriges Gedicht nächstes Gedicht

Aus »Traum von Atlantis«. Gedichte 1994, Vers 8798 bis 8869

KLINGSOR


Aus der tiefen Nacht des Nordens,
Nebelheim, verkannt und fern,
In der Heerschar deines Ordens
Gingst du zu auf manchen Stern,
Doch du läßt das Buch nicht fahren
Deiner Reise durch den Geist,
Ohne Lust und Schmerz zu paaren
Der Gestalt, die Klingsor heißt.

Wurzeltraum und Kronenrauschen,
Eiche, die sich selber minnt,
Was die Birken Rede tauschen,
Was der Quell des Lebens sinnt,
Sammelst du, der Wiesel-wendig
Alles Flüchtige verleibt,
Was du anrührst, wird lebendig,
Weil die Wunde offen bleibt.

Reines Ungefähr des Waltens
Im Gewog, das lind umwirbt,
Psalm des seligen Verhaltens,
Der in Eintracht steigt und stirbt,
Magst du keins der Reiche wollen
Als den Traum, dem du dich weihst,
Doch du hast Tribut zu zollen
Der Gestalt, die Klingsor heißt.

Du verschweigst, woher er stamme,
Doch das Grün verlangt nach Rot,
Wie die Flut, so hat die Flamme
Ihren Raum und ihr Gebot,
Jene weckt und nährt das Leben,
Diese heischt den höchsten Glanz,
Jene mag dir manches geben,
Aber diese nimmt dich ganz.

Deine Wunde soll nach innen
Schwären, bis du töten lernst,
Blut vom Stahl des Schlächters rinnen
Himmeln, die du neu besternst,
Ares soll dein Tagwerk segnen,
Schlange, die sich selber beißt,
Und dein Auge wird begegnen
Der Gestalt, die Klingsor heißt.

Wer er sei, wirst du ihn fragen,
Und du wirst ihn nicht verstehn,
Denn ihr habt euch nichts zu sagen,
Weil ihr wähnt, ihr könntet sehn,
Und der Wald wird sanfter dunkeln,
Wenn aus Fafnirs Hort das Gold
Aufblitzt, und die Pilze funkeln,
Und Alraune klagt so hold.

Dunkle Vögel schreiben Zeichen
In die Luft, doch ohne Scheu
Bleibt im Dämmerlicht der Eichen
Hirsch dem Herrn der Wälder treu,
Frühtau im Gesicht zu spüren,
Lid vom Trost des Schlafs befreist,
Denn du willst das Herz berühren
Der Gestalt, die Klingsor heißt.

Auf dem Netz der Spinne leuchten
Tropfen, unterm Harz-Arom
Lockt die Sonne aus dem feuchten
Boden manchen braunen Gnom,
Preisgesang von reich beschenkter
Welt tönt von den Wipfeln her,
Doch du tappst wie ein Gehenkter
Und vernimmst das Lied nicht mehr.

Aus der tiefen Nacht des Nordens
Nebelheim, verkannt und fern,
Als der letzte deines Ordens
Gehst du zu auf manchen Stern,
Im Gerausch den Leib zu ahnden,
Im Geloh den wachen Geist,
Ewig nach der Spur zu fahnden
Der Gestalt, die Klingsor heißt.