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Aus »Traum von Atlantis«. Gedichte 1994, Vers 10321 bis 10362

ELYSIUM


I

Nicht länger säum, das Paradies zu schildern
Im Maß, das dir der Schatten gab der Eichen,
Als könntest du den großen Meistern gleichen,
Faß unverzagt nach Melodien und Bildern.

Laß dich vom Kleinmut nirgendwo erweichen,
Den Vers ins Maß der Gegenwart zu mildern,
Du darfst im Uferschlamm der Ebbe wildern
Nach Mythen, Wappen, Traumgetier und Zeichen.

Dann wird der Maiwind hell und seidig fönen,
Den Strand vor Tag mit weißen Rosen krönen,
Noch ehe der Gesang am Quell erwacht,

Der aufsteigt, um die Gipfel zu versöhnen
Mit Stimmen, die im Grottengrund ertönen,
Das Gold der Sonne mit dem Gold der Nacht.


II

Des Frühsten und des Spätesten gedenke,
Den trüben Mustern danke wie den scharfen,
Und auch dem Traum, der in zerstörten Larven
Nie blüht und reift, die wachen Augen schenke.

Bezieh die Weiser ein, die dich verwarfen,
Im Morgentau den Speer der Herrschaft senke,
Dann tritt im Tal der weiße Hirsch zur Tränke,
Und aus dem Schatten tönt der Klang der Harfen.

Den Holder sieh, vom Schwanenpaar gezogen,
Wie er den Gast erquickt mit Milch und Rogen,
Das Herz mit Azaleenduft beschwert.

Und spür: der Himmel ist dem Geist gewogen,
Und du erkennst in seinem blauen Bogen
Den Drachen, der als Engel wiederkehrt.


III

Elysisch sei im Feld der blaue Schneider,
Das Knabenkraut soll alle Felder segnen,
Den Doppelleib im Licht, im Abgelegnen
Erfahre und genüg dem Anspruch beider.

Laß Tiere ein, die dir im Traum begegnen,
Üb Großmut und obwalt als sanfter Scheider,
Bleibst du dir treu, versiegt das Gift der Neider
Und golden wird die Lanze des Verwegnen.

Dem Nordlicht ist die Seherin zu danken,
Ghaselen, die wie Rosensträucher ranken,
Vermähle sie, wenn rings die Erde bebt,

Und von den Inseln, die im Gold versanken,
Bring ein Gedicht und einen Traum-Gedanken
Dem Schlangensohn, wenn er das Haupt erhebt.