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Aus »Der Seerosenritter«. Gedichte 1990, Vers 4338 bis 4372

PARZIVAL


In Wolframs Buch vom Grale fahrn
Zwei Ritter nach der höchsten Quest,
Daß beide höchst verschieden warn
Und dieses täglich offenbarn,
Sich ärger gar nicht zeigen läßt.

Gawain kennt Takt und Höflichkeit,
Die Riten auch der Religion,
Er zeigt Geduld in Huld und Streit,
Doch Parzival ist davon weit
Und gilt als großer Torheit Sohn.

Gawain versteht den Ernst, den Spaß,
Er weiß, wie man die Worte wägt,
Und Parzival sieht so den Has,
Der Unterschied von Zinn und Glas
Ist nichts, was ihm Gedanken trägt.

Doch alle Kunst und Müh verpufft,
Wenn Wege schlängeln wirr und krumm.
Was nützt die Ehr in schlechter Luft,
Und wenn ein armer Hund der Schuft,
Wird wer gerecht nicht froh darum.

Gott hat bestimmt, daß Parzival,
Der Narr, die Burg des Grals befrei,
Wenn dies mißlingt beim ersten Mal
Und fortsetzt sich des Königs Qual,
War Gottes Wille auch dabei.

Selbst daß er Gottes Gnade pön,
Ist not für das Erlösungsstück,
Nichts festhält, daß er sich gewöhn,
Und mißversteht, was gut und schön,
Hat teil, daß die Verheißung glück.

Gawain besteht die Prüfung oft,
Doch dorten wartet nicht der Gral,
Der andre handelt unverhofft,
Doch daß sich Heilands Blut verstofft,
Ist ausersehn nur Parzival.