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Aus »Der Seerosenritter«. Gedichte 1990, Vers 4254 bis 4317

MERLIN


Schlüssel für Artus und Queste,
Quecksilbrig schlanker Merkur,
Ob in der Schlacht, auf dem Feste,
Beischlaf und harter Tortur,
Immer vorm Abgrund ein Quentchen,
Gleichwohl schon wieder in Hast,
Reicht dir der Barde das Händchen,
Und schon vermißt du den Gast.

Was einst die Kelten gewesen,
Eint er im schütteren Haupt,
Was er gesagt, kann man lesen,
Aber nicht was er geglaubt,
Zwischen Druiden und Christen
Seiltanzt der Narr auf der Zinn,
Und nach unmöglichen Fristen
Hat sein Besuch wieder Sinn.

Dunkel sind alle Propheten,
Meistens und eigentlich stets
Wurde der Rat nicht erbeten,
Aber nicht ohne ihn gehts,
Daß er ein eigener Lenker,
Und ein Geheimnis sein Plan,
Sagen mal froher, mal kränker,
Alle, die jemals ihn sahn.

Zwischen Gefilden im Nebel
Und unserm Nebel aus Licht,
Reicht er die Wecker und Knebel
Und er verfehlt kein Gesicht,
Wo alle Weisheit am Ende,
Wo alle Zuversicht schwand,
Zeigt er sich geisterbehende
Und er verheißt uns das Land.

Niemand wird jemals in finden,
Spurlos der Magier entflog,
Ob er dich trifft an der Linden
Oder bei Schweinen am Trog,
Niemand weiß solches zu sagen,
Wenn ers dir selbst nicht verriet,
Aber in dunkelsten Tagen
Tritt er der Zeit ins Gebiet.

Was ihn veranlaßt zu kehren,
Sagt nicht, was immer er raunt,
Gold ist ihm Tand oder Ehren,
Nichts hat er jemals bestaunt,
Um das Geweb zu besticken,
Krudeste Pfade er nimmt,
Meint aber, alles zu schicken,
Wie es von jeher bestimmt.

Dies rührt an ältestes Raten,
Wenn sich doch alles entschied,
Wozu verlangt es die Taten
Schwerts und nach feierndem Lied,
Niemand löst je diesen Knoten,
Drum laß den Weisen in Ruh,
Fragst du, was ewig verboten,
Schnürt er ihn fester nur zu.

Mühe dich nicht, ihn zu stören,
Glaub nicht, daß je es gelingt,
Wollte er selbst dich erhören,
Nutzlos, was etwa er bringt,
Was er dir mag prophezeien,
Reimt dir nur bündig und knapp,
Was dir die Kolkraben schreien,
Lautstark vom Dache herab.