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Aus »Weckruf und Mohn«. Gedichte 1988, Vers 2319 bis 2354

GNADEN-REICH


Dem Chaos, Traum und Fruchtbarkeit, entquoll
Zuletzt, bedingend, der Gespiel in Moll.
Verweibte Welt, entmannter Esche Zoll,
Ließ dir die Form, die sie beherrschen soll.

Das Limit: Linie, Punkt und Raum – du weißt
Dich Dreiklang, der im Brennpunktdoppel kreist,
Wo einer Sphären, dir gewollt, durchgleißt
Und einer einzig der Verborgne heißt.

Das Stigma: Tod als Selbstbegegnung beim
Aufschaun ins Gleichnis, Allverwandlungs-Keim
In zwei Gesichtern, offenbar geheim,
Und beider Walten kehrt im Werk, im Reim.

Der Name: die Gestalt im Menschenmaß,
Die Fülle war und sie nicht nur besaß,
Das Reich der Gnade, Reichtums Pol, vergaß
Den andern nicht, der Traurigkeit erlas.

Du hast ihm früh die Zärtlichkeit gedankt,
Den Schatten, der den Adlerflug umrankt,
Musik, von Sturz und Nimmermehr beflankt,
Die leiblich war und wie der Leib verlangt.

Und Stern und Stein, benannt, erwachten da
Aus Schlünden, schwarz und im Gewitter nah,
Zerstobne Nacktheit, Flut, gezackt, ersah
Die Gnade, daß dies alles längst geschah.

Sie wurde dein, der reif zur Milde kor
Den Gott, der seine Schlangenhaut verlor,
Das Siegel leuchtet am verschloßnen Tor:
Nicht Welt, du selbst warst aller Welt zuvor.

Du lerntest gehn und wandtst beschiednen Sinn
Nun feierlich auf die Geschöpfe hin,
Die Große Mutter sprach im Welt-Gewinn
Und brachte dir Geschirr von Gold und Zinn.

Die Spannung wich im herben Donnengroll,
Der Krug zerbrach, mit Heimgebrachtem voll,
Dem Chaos, Traum und Fruchtbarkeit, entquoll
Zuletzt, bedingend, der Gespiel in Moll.