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Aus »Unstrutleuchten. Erstes Buch«. Gedichte 2014, Vers 42914 bis 42985

THUISKON


Urdunkel Wald, doch so wie eine Winde
Am Sims sich krallt, daß etwas Licht sie hasche,
Betupft die Laune brütendes Gesinde
Mit Freiheit, die wie Funken in der Asche
Die Flammen uns vorwegnimmt, die das Ende
Und also eine weitre Zeitenwende.

Solch eine Lichtung ist es wohl gewesen,
Die Thuiskon ausgesucht hat, sich zu sonnen,
Im Südland wär von seinem Traum zu lesen
Ein von der Wüste unbezwungner Bronnen,
Allein, im Norden sind die Bäume Herren,
Und Glück, wenn sie den Himmel nicht versperren.

Er träumt, mal lächelnd, aber meist im Kriege
Die Söhne, hart und ungeschlacht am Ringen,
Dazwischen schreit das Mutterglück der Wiege,
Ein Horn von fern, und Heimgekehrte singen,
Er träumt von Fahrt und Fall und hellen Fahnen,
Und was er träumt, ist Schicksal den Germanen.

Sein Name spricht von Zweifel, Zwist und Zwitter,
So sind im Traum die Seelen ihm auch zweie
Hier steht die Ernte und das Fest der Schnitter,
Dort labt sich Tyr an manchem Todesschreie,
Hier Acker, Pferch, Geläut und pralle Euter,
Und dort das Meer, unendlich dem Erbeuter.

Im Anbeginn der Schöpfung ward geschieden
Die Erde, fest für Wurzel wie für Wipfel,
Vom Wasser, daß kein Himmel je befrieden
Uns wird und das sich selbst Genug und Gipfel.
Wer Erde wählt, mag sich vor Gott bescheiden,
Wer See, verlacht, was er und andre leiden.

Weil Thuiskons Stamm von allen Himmelsmächten
Beschenkt, so sind verschieden arg die Taten,
Daß sie Gemeinglück in die Lande brächten,
Die einen froh, die anderen – Piraten!
Wo die zu Lande Fleiß und Tugend schätzten,
Die andern noch das fernste Volk entsetzten.

Kein Haß ist ärger als der brüderliche,
Nicht gönnt die Frucht dem Bauern der Nomade,
Auf daß ihm Glück und Lauterkeit entwiche,
Kein Streit und keine Lüge sei zu schade.
Und so geschiehts, daß an den Plünderküsten
Die Freien sich zum Widerstande rüsten.

Und Thuiskon träumt – und jagt dabei den Rappen,
Denn nicht nur, daß die Segler immer flotter,
Der Dampf erlaubt, den Windvertrag zu kappen,
Denn Kohlen hat gar viel der Globetrotter,
Dann schließlich wird die Schraube zum Propeller,
Und kein Gebirge schützt den Bäumefäller.

Dem Bauern ist die Kirche wie die Krone
Ein Dach, das nach dem Sturme auszubessern,
Dem Seemann sind sie Fronende dem Lohne,
Den er verschafft mit Täuschungen und Messern,
Vermag ers mit der List, so nennt ers Handel,
Bei Kriegsglück ists naturbedingter Wandel.

Das Gleichgewicht von Stetigkeit und Beute
Zerbricht, und Thuiskon fuchtelt mit den Armen,
Wer aber wachend, nennt den Umstand Heute
Und betet leis, es mög sich Gott erbarmen.
Die Seegermanen raubten selbst die Seele,
Daß den Besiegten sich das Heil verhehle.

Was ihnen gut, heißt blutbefleckt und Schande,
Was ihnen recht, heißt eitel und verstiegen,
Sie sehen selbst sich als verruchte Bande,
Und ihre Wehr als Süchtigkeit nach Kriegen,
Sie wirken eifrig, selbst sich zu verhindern,
Und fürchten bloß, daß Qualen sich vermindern.

Wenn Thuiskon nun von solchem Alp erwachte,
So wärs, daß ihn das Nachtgesicht beherze.
Das Zwiegesicht, das die Geschichte machte,
Grinst ihm als Abgrund von finaler Schwärze.
Er schüttelt sich, gequält von Kleiderläusen,
Und weiß, daß nun sein ganzes Herz in Preußen.