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Aus »Die alte Linde. Zweites Buch«. Gedichte 2013, Vers 41605 bis 41644

FELDLINDE BEI GÖPPERSDORF


Himmel teilend, Luft und Licht,
Lindenschwestern, Stamm an Stamm,
Eins in Wuchs und Angesicht,
Doch im Kern die tiefe Klamm.
Jedes Kind die Frage stellte
Und wer kommt und will vorbei:
Ob gespalten, ob gesellte,
Ob da eine, ob da zwei?

Dies rührt an das Weltproblem,
Same oder Wurzelsproß,
Ob Geformtes lobt den Lehm
Oder Atem, ders umfloß?
Ob das Eine sich entfalte,
Ob das Erste Liebelei
Oder ob ein Drittes walte?
Ob da eine, ob da zwei?

Für die Zwei die Haltung spricht,
Abgewandt zum eignen Feld,
Weil die Streiterei ums Licht
Nur Verliern für möglich hält,
Sorgsam beide sich verzweigen,
Daß sie von Umarmung frei,
Doch die Frage will nicht schweigen:
Ob da eine, ob da zwei?

Solche Bündelpflanzung gilt,
Skepsis meint, als rares Ding,
Auch daß wie ein Ebenbild
Die Verästelung geling.
Wie ein Ei dem anderen gleichen
Will kein Baum der Wegesreih,
Sollte dies als Antwort reichen,
Ob da eine, ob da zwei?

Schaut der Zweifler auf den Grund,
Sucht er die Verwachsungsnaht,
Bis betrogen um den Fund
Er durchschaut den großen Staat:
Eine will für zweie gelten
Daß sie windgewandter sei.
Also möge keiner schelten,
Daß da eine wächst wie zwei.