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Aus »Die alte Linde. Zweites Buch«. Gedichte 2013, Vers 42698 bis 42745

DIE LINDE IM GRIES


Als zur Kreuzzugszeit Legende
Georgs ging vom Leid zur Wehr,
Griff der Drachenkampf die Stände
Als Symbol von Mut und Ehr,
So geschehn im Attergaue,
Siedler das Fanal ergriff,
Und sie sorgten, daß man baue
Erst den Wehrturm, dann das Schiff.

Georgs Lindenwurm, erschlagen,
Galt als Satans Agonie,
Doch den Bildern, die uns tragen,
Eine Deutung reichte nie,
Daß dem Bösen wehrt das Gute,
Rechterdings als Inhalt gilt,
Aber auch, daß Licht dem Blute
Feind, zeigt uns das Georgsbild.

So der Roder vor den Buchen,
So der Müller vor dem Bach,
Ehre unserm Herrn zu suchen
Mensch die Welt gefügig mach,
Ritterlich ist dieses Walten,
Bleibt der Grund im Gleichgewicht,
Eine Grenze einzuhalten,
Übersieht der Reine nicht.

Jenseits dieser wird zum Drachen,
Wer ihm gab den Todesstoß,
Denn der Hölle offner Rachen
Ist zuletzt ein Spiegel bloß,
Und der rundum Selbstgerechte,
Der sich hält für Gottes Schwert,
Ist noch schlechter als der Schlechte,
Dessen Selbstheit er durchspeert.

Älter als das Kirchgebäude
Ist der Lindenbaum im Gries,
Diesem einen Blick vergeude,
Seine stumme Botschaft lies.
Dieser Wurzler gleicht dem Drachen,
Der gespalten ist mit Macht,
Doch aus Zausen und Zerkrachen
Wachsen Blatt und Blütenpracht.

Ist der Gral die offne Wunde,
Draus der Speer verloren ging?
Muß er kommen, daß die Stunde
Der Versöhnung uns geling?
Diese Fragen bleiben offen,
Georg und der Lindenwurm –
Eines ist des andern Hoffen,
Lind im Gries und Kirchenturm.