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Aus »Die alte Linde. Erstes Buch«. Gedichte 2012, Vers 40130 bis 40227

DER DEUTSCHE BAUM


I

Germania ist ein Weib und dieser Klang
Behaglich lind fließt schnellenfrei gemach,
Der Dichter geht dem Quellgemurmel nach
Und findet eine Landschaft voll Gesang.

Das Mühlenrad, der Rechen hell im Heu,
Das Fach, die Stiege, Spind und Fässer Weins,
Die Wiege früh, der Stock, der Sarg, ja keins
Der Kinder, das sich nicht am Holz erfreu.

Im deutschen Land die Vielgestalt des Baums
So groß ist wie fast nirgends in der Welt,
Drum ist sein Bild im Herzen allgemein.

Und steht der Baum im Brennpunkt deutschen Traums,
Bleibt strittig, welcher Art die Krone gelt.
Ich sage euch, es muß die Linde sein.


II

Die Esche gibt der Edda Maß und Ziel,
Die Fruchtbarkeit und daß kein Stoß sie bricht,
Jedoch im Volk verwurzelt ist sie nicht,
Und keine Hochzeit tanzt um Yggdrasil.

Die Eichel galt im Kartenspiel als Knecht,
Wos Lindenblatt dem freien Bauern galt,
In harter Zeit die Eiche gibt uns Halt,
Weil sie selbst tot die Hoheit setzt ins Recht.

Doch ist der Trutz die Tugend nur der Not,
Des Kriegsmanns Treu ein Trost versiegten Borns,
Der Mutterschoß doch schließt den Himmel ein.

Drum streicht im Fahnen-Dreigesang das Rot
Des Tyr und folgt der Schirmerin des Korns.
Ich sage euch, es muß die Linde sein.


III

Deutsch ist zuerst das Dorf und nicht die Stadt,
Dort steht die Linde in der Mitte grün,
Sie steht im Feld und überschaut das Mühn,
Man liebt und tanzt und ißt sich drunter satt.

Ob Minnesänger, Wandersbursch, Student,
Wer singt, hat Linden stets in seinem Reim,
Die Linde schickt uns fort und holt uns heim,
Oft die Gemeinde sie im Wappen nennt.

Der Kirchhof auch die Linden sprießen läßt,
Die Sage spricht, als Liebende hier fern
Bestattet, sich zwei Linden überm Stein

Der Kirche fanden und umarmten fest.
So wächst herauf der tiefsten Treue Stern.
Ich sage euch, es muß die Linde sein.


IV

Die Linde rief die Männer einst zum Thing,
Weil sie der Freya heilig und geweiht,
Die Göttin überstand die Wirrn der Zeit,
Bevor die Freiheit hier zugrunde ging.

Gemeingeist kann allein auf Freien ruhn,
Drum kommt das deutsche Reich nur, wenn der Mann
Im Eignen Weib und Kind versorgen kann,
Und großer Zahl erfreut sich solches Tun.

Die Linde lehrt auch, daß sich viele Leut
Versammeln, wenn da unverrückbar steht
Ein Stamm, der in die Aue bringt den Hain.

Und daß man dort gerecht, wo man sich freut,
Daß sich das Jahr um diese Achse dreht.
Ich sage euch, es muß die Linde sein.


V

Von Luthers Tischgesprächen rührt viel her,
Was wir als deutsch empfinden und als echt,
Wir wissen, er hat gern und viel gezecht,
Drum wundert uns die Linde hier nicht sehr.

Für Freude und für Frieden ewig steht
Die Linde ihm, hier gälts nicht Ernst noch Streit,
Dies schien ganz selbstverständlich seiner Zeit,
Weshalb er rasch zum nächsten Punkte geht.

Jedoch erklärt er kurz, es sei hier Brauch
Zu trinken, tanzen, Frohsinn zu verteiln,
Drum eigne diesem Ort der Friedensschein.

Und weil im Einklang hier sind Herz und Bauch,
Bleibts herrlich bei der Hüterin zu weiln.
Ich sage euch, es muß die Linde sein.


VI

Der Friedensbaum ist freilich wohlbewehrt.
Die Linde sorgt nicht nur mit dem Geschatt,
Daß Neider keine sie im Umkreis hat,
Auch manchen Wuchs sie im Beginn verheert.

Dies scheint ein Widerspruch allein dem Torn,
Der jede Waffe sieht als Metzellust,
Auch Not, der du nicht selbst begegnen mußt,
Ist prägend deinem Schicksal eingeborn.

Auch unser Volk braucht Waffenstand und Wehr,
Sonst wärs ein Spielball jener, die gestählt,
Denn Freiheit schafft kein Dokument im Schrein.

Und macht euch müde auch die Wiederkehr,
Ich hab die Strophen nicht zu End gezählt.
Ich sage euch, es muß die Linde sein.


VII

Nicht nur das Blatt der Linde ist so rund,
Daß es uns dient als Zeichen des Gefühls,
So voll ist auch die Halle des Aysls,
Wenn Lindenlaubicht reicht bis an den Grund.

So setzt die Krone auf die Ebne auf,
Und damit wird zur Krone ganz der Baum,
Dies ist mit Recht ein Bild dem deutschen Traum:
Der König nah an dem gemeinen Hauf.

So gibt der Baum uns Raum nicht nur zu tun,
Er zeigt auch gleich das Staatskunst-Muster an,
Drum Lindenblüten sind das Gold vom Rhein.

Wer so viel Argumenten bleibt immun,
Der ist am Ende gar kein deutscher Mann?
Ich sage euch, es muß die Linde sein.