Willkommen

Lebenslauf

Aktuell

Werke

Publikationen

Video

Leserstimmen

Verweise

Besucherbuch

Impressum
 
voriges Gedicht nächstes Gedicht

Aus »Die alte Linde. Erstes Buch«. Gedichte 2012, Vers 39978 bis 40043

VOM LINDENBAUME


I

Vom Lindenbaume geht bei uns die Sage,
Wo Ortnit traf den Alben einst im Traume,
Von dorten tönt das Lied in unsre Tage
Vom Lindenbaume.

Mein Kindheitsbaum war eine Haferpflaume,
Doch nach der Linde ich nicht lange frage,
Ein jedes Dorf macht sich zum Lindensaume.

Solang dies ist, versag dir Groll und Klage,
Sie prunkt mit ihrer Vielgestalt im Raume,
Und darum einzig groß zu singen wage
Vom Lindenbaume.


II

Im Lindenschatten reift die hohe Minne,
Und wer allein der Krone traut, der satten,
Der ahnt gewiß, was er schon bald gewinne
Im Lindenschatten.

Dies ist kein Licht wie hinter Zauneslatten,
Denn dieser Filter dämpft nicht Reiz und Sinne,
Und wehrt sich dem Profanen und dem Platten.

Die Heimlichkeit, nicht Wahn noch Netzes Spinne,
Sie geht mit Anmut und mit Heil vonstatten,
Denn jeder weiß, daß Fruchtbarkeit beginne
Im Lindenschatten.


III

Vom Lindenwurme raunen alte Lieder,
Drin Python, Echse, Salamander, Urme
Zur Einheit, und so heißt es immer wieder
Vom Lindenwurme.

Er reckte sich zu einem Flammenturme,
Und Siegfried sank vor dem Vulkane nieder,
Doch wich sein Mut kein Gran vor diesem Sturme.

Nicht Zögern läßt verharrn gespannte Glieder,
Denn einzig wer beim großen Werk nicht schurme,
Erreicht das Herz und rötet das Gefieder
Vom Lindenwurme.


IV

Vom Lindenblatte, das herabgefallen,
Blieb herzgroß Siegfrieds Haut so weich wie Watte,
Verwundbar blieb der Held durch sanftes Krallen
Vom Lindenblatte.

Uralt das Weib war, dem verfiel der Gatte,
Dem jede Lanze hatte abzuprallen,
Doch einen Makel hat die Panzermatte.

Ob Kriemhild überschaut beim Fäusteballen,
Woher auch Hagen seinen Auftrag hatte?
Im Golde kommen Gagel auch und Gallen
Vom Lindenblatte.


V

In Lindenblüten ist die Kraft zu lindern
So dicht wie nur in Sagen und in Mythen,
Wir werden Heil und Heiterkeit zu Findern
In Lindenblüten.

Als unsre Ahnen sich den Aufguß brühten,
Die Schmerzen und den Kältegeist zu mindern,
Sie fühlten sich als Linden-Epiphyten.

Die Linde wie der Feigenbaum den Indern
Sei unser Herz, und Segen zu vergüten,
Hüll ein dein Bett und das von deinen Kindern
In Lindenblüten.


VI

Der Lindenhonig ist kein Wort der Dichter,
Doch zeugt für Gold und Heilkraft abendtonig
Bei Ebner-Eschenbach und Johann Richter
Der Lindenhonig.

Den Bienen zeigt die Linde sich balkonig,
Auch findet man kein andres Laubicht lichter,
Doch Honigtau gedeiht auch dunkelzonig.

Als Seelenleids und Wundenbrands Vernichter
Verholdet er uns minzig oder mohnig,
Denn Musenvögel lockt im Blütentrichter
Der Lindenhonig.