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Aus »Die alte Linde. Erstes Buch«. Gedichte 2012, Vers 39888 bis 39929

BAUMGLÜCK


Höher hinauswollen hieß
Immer von kleinauf für mich:
So wie die Katz auf den Ast,
Wenn man mein Lebenslicht blies,
Sorge und Eitelkeit wich,
Weiß ich dies Glück nicht verpaßt.

Was ich im späteren tat,
Träumte und schrieb oder sang,
War meines Kletterglücks Spur,
Ob in Kultur und im Staat
Oder Vergeßnem schon lang
Alles trug Baumformen nur.

Ypsilon-Astgabel, Glück,
Mehr als das biedere A,
Wo doch das Hohl-O am Grund,
Trägt dich der Schwungauf ein Stück,
Waren die Spechte schon da
Und eine Rettung, was wund.

Mehr als das karge Latein,
Taugen die Zeichen Kyrills
Linden und Birken und Eich,
Inniger schließen sie ein,
Daß auch im Baum wie im Pilz
Harsches ist wesentlich weich.

Als ich die Augen verschloß,
Blind nun den Aufstieg erprobt,
Wußt ich mich stammesverwandt
Mit meinem stillen Genoß,
Den ich geliebt und gelobt,
Bis ich verlassen das Land.

Als ich zurückkam zu spät,
Sagte ein furchtbares Loch
Klettrern für immer Vorbei,
Allerlei Kitsch und Gerät
Fronte dem Zeitgeschmack-Joch,
Ich aber hörte den Schrei.

Heute nun pflanz ich und heg
Ahorn und Blutbuche gut,
Unter der Linde ich schreib,
Eichhörnchen rastet am Weg,
Zeigt im Verweilen den Mut,
Daß es kein Wagen vertreib.