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Aus »Zweifelsbachgrund«. Gedichte 2010, Vers 34996 bis 35027

SALZ


Das Salz vereint noch schärfre Gegensätze
Als Wasser und die Macht, daß zwei sich binden
Und so entfliehn dem eigenen Gesetze,
Ist selten solcher Ungeduld zu finden.

Bevor man beide fand im reinen Schrecken,
Warn wäßrig sie Standarten schon Bewehrter,
Im Laugen- und im Säurenreiche strecken
Achill und Hektor ihre blanken Schwerter.

Daß Laug und Säure ihre Ätzung lassen,
Gilt freilich nur dem Mischer im Labore,
Daß sie einander Wehr und Waffen fassen,
Mißdeut nicht, daß sie friedlich sein im Chore.

Denn wenn sie auch nicht mehr die Hand verbrennen,
Streun in die Wunde Salz nur Folterknechte,
Nicht harmlos sollst die mildre Ätzung nennen,
Darum vergleicht dem Salz sich der Gerechte.

Die Kochkunst, die das Wasser eint dem Feuer,
Fand neben Öl im Salz die vierte Säule,
Unscheinbar schweigt es im genarbten Streuer
Und widersteht der Hitze und der Fäule.

Ein Märchen weiß, daß Schätze und Geschmeide
Entbehrlich sind, doch nicht das Salz zum Kochen,
Nicht nur, daß sich die Zunge linder weide,
Was uns bekömmlich, wird erst kleingebrochen.

Denn dem Kristall ists eigen, daß er Stränge,
Die starke Muskel warn erjagter Säue,
Sie schonend, wie es nützlich uns, versenge,
Daß dies den Magen und das Blut erfreue.

So ist das Wunder aller Weltgewebe
Gewaltigkeit und Milde im Vereine,
Keins ist entbehrlich, daß ein andres lebe,
Drum acht Verborgnes wie das strahlend Reine.