Willkommen

Lebenslauf

Aktuell

Werke

Publikationen

Video

Leserstimmen

Verweise

Besucherbuch

Impressum
 
voriges Gedicht nächstes Gedicht

Aus »In den Isarauen«. Gedichte 2009, Vers 31864 bis 31903

SCHELLING


Der Philosoph war fruchtbar vielen Plätzen,
Unähnlich waren Anfang ihm und Ende,
Verschiedne Ströme seine Schriften schätzen
Und ebenviele ihm ein Denkmal setzen,
Die Isar brachte seinem Sinn die Wende.

Die Ära, wo in schwindelnden Systemen,
Die Geister suchten Sinn und Welt zu fassen,
Sah manchen Hang zum Allzu-Angenehmen,
Doch Brüche auch, die Harmonie verfemen,
Bis hin zu Quellen, wo die Jünger hassen.

Mir fiel ein Frühwerk jung schon in die Hände,
Das Nachwort warnte vor dem spätern Dunkel,
Ein Licht der Freiheit dieser Aufbruch spende,
Bis dann Vergreisung oder Todfurcht blende,
Zu wenden sich ins mystische Gemunkel.

Der Glaube freilich taugt nicht zum Dozieren,
Drum ward, was später in Berlin gelesen,
Nicht der Erfolg, nach dem Studenten gieren.
Es mußte nach der Hegelei verlieren,
Was an der Isar heimischer gewesen.

Hier traf er sich mit Creuzer, Baader, Ritter,
Hier spürte leiblich man den Welterschaffer,
Hier sprach man von der Frömmigkeit nicht bitter,
Und die Erleuchtung war kein Herbstgewitter,
Und die Verehrung war nicht nur Metapher.

Ob seine Schriften mit der Reife klarer,
Wohl unparteiisch kaum ist zu entscheiden,
Doch sicher gilt mir, daß ein Wort nicht wahrer
Durch Beifall wird recht vieler Bildungsfahrer,
Und falscher nicht, weil keiner mag es leiden.

Seit Schüler, Prinz von Bayern, hat ihm später
Als König manche Ehrung ausgesonnen,
Der Stil der Herrschaft hatte viele Väter,
Doch daß der Weise sprech zu einem Täter,
Hat Platon einst die Tradition begonnen.

Drum soll man Schellings Müh in München achten,
Auch wenn nur Hörsäl sind Gelehrten wichtig,
Was Maximiliens leise Schritte brachten,
War angezeigt, zu bremsen das Umnachten,
Das bald darauf in Deutschland einzig richtig.