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Aus »In den Isarauen«. Gedichte 2009, Vers 32626 bis 32721

VON GANTHAR UND NANTWIN


Von Ganthar will ich euch erzähln,
Der war bestallt zu Fug und Recht,
Wer einst im Isartal zu stehln
Versucht, dem gings gar hart und schlecht,
Hier ist das Reisig stets geschicht,
Und Pein und Ketten ohne Rost,
Daß keiner die Gesetze bricht
Noch heimlich sammel Hexen-Dost.

Doch ist sein Tag nicht ohne Sorg,
Das Land ist hier das fettste nicht,
Und sinnt der Bauer, daß er borg,
Ists auch nicht reichlich beim Gericht,
In Rom jedoch sind Gold und Glanz,
Da gehts in Purpur zum Palast,
Weshalb so mancher deutsche Hans
Die eitlen Römer flucht und haßt.

Die Pilger sind beladen schwer,
Doch nicht von Mitleid, Buß und Reu,
Vom Golde zu des Heilands Ehr,
Und sitzt das Häuflein Elend scheu
Im Wirtshaus mit des Beutels Last,
Den füllte Furcht vor Höllengier,
So mancher denkt und sagt es fast,
Der Inhalt bleibe besser hier.

Am Golde hängt, das weiß man doch,
Das Los, das Amt, das Recht, das Glück,
Ein bißchen Freud im Jammerloch,
Von Himmelslust ein kleines Stück,
Der Richter weiß, was recht und gut,
Ein Kleid wär der Gemahlin not,
Und wenn er ihr die Freude tut,
Kriegt auch der arme Schneider Brot.

Der Nantwin kommt, die Hähne krähns,
Der sammelt ein landauf, landab,
Der Schneider sagt, zum Werk des Nähns
Wär doch der Stoff ein bissel knapp,
Der Richter fürchtet Gott und Schwert,
Doch dieser Pilger ist ein Schuft,
Er hat, was dieses Land begehrt,
Und schaffs dahin, wos bloß verpufft.

Nantwin im Wirtshaus grüßt mit Gott,
Da stehn schon Spieße scharf gezückt,
Es ist nicht weit bis zum Schafott,
Ist man mit zuviel Gold bestückt,
Der Pilger weint, beteuert sehr,
Daß er nur gut um aller Seel,
Und wähnt, daß dies noch einen scher,
Wo Klag und Urteil sind Befehl.

Der Richter denkt, ohn Falsch ward nie
Gerechtigkeit auf Erden wahr,
Als ob man geig die Melodie,
Sind Schuld und Frevel sonnenklar,
Die Zeugen sind von Zweifeln frei,
Darum im nächsten Morgenrot
Gerechtigkeit geschaffen sei
Und jenem Schelm der Feuertod.

Obgleichs doch jeden freuen muß,
Daß Gold in die Gemeinde dringt,
Gibts Unfall, Klag und viel Verdruß,
Man sagt, daß es nach Schwefel stinkt,
Schon an dem Tag, da Ganthar richt,
Gehn Murrn und Zwietracht durch die Reihn,
Als wich das Blut vom Golde nicht,
Stürzt ein Gerüst am Amtshaus ein.

Auch trinkt ein Lahmer aus der Flasch,
Die jener Pilger bei sich barg,
Und da er auf der Hauptstraß rasch
Entlanggeht, wird die Stimmung arg,
Daß Volk weiß, in der Flamme schmort,
Die Unschuld auf der Gier nach Gold,
Allein der Ganthar meint verbohrt,
Hier werde bloß dem Recht gezollt.

Er stellt die Wache um sein Haus,
Von Wundern tuschelts leis und laut,
Das sitz ich unbefochten aus,
Meint, wer Vergeßlichkeiten traut,
Dann hat der Schlosser Eisenschelln,
Die Nantwin quälten, angefaßt,
Da schied sein Geist von allem Helln
Und Irrsinn ward der Kinder Last.

Es ist, als spräch ein jedes Ding
Nach Gottes Willn von Mord und Schand,
Daß einer ins Martyrium ging
Und sich begab in Christi Hand,
Das wird geglaubt in jeder Stub,
Der Ganthar flieht zuletzt allein,
Und jeder nennt ihn bösen Bub
Und hört ihn in der Hölle schrein.

So hat der Ganthar wohl gemeint,
Das Volk wär bei dem Raub dabei,
Doch wie die Fraun am Kreuz geweint,
Daß reines Blut gerichtet sei,
So mag das Volk zwar Trunk und Tolln
Und Glitzern, drin sichs dann verläuft,
Doch seine Seele kann nicht wolln
Die Herrschaft, die mit Teufeln säuft.