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Aus »Gefangener Schwan«. Gedichte 1984, Vers 1583 bis 1614

DER WASSERMANN


Er lebt von Bildern, die wir blind erkoren,
Aus Träumen, die den wachen Mut erschrecken,
Er ist wie wir aus Schmerz und Blut geboren,
Aus Tropfen, die des Vaters Mantel flecken.

Sein Reichtum, wohlverwahrt in Silberkrügen,
Wird jeglichem gerecht, was je geschehen,
Er bringt den Krieg, doch seinen Falterflügen
Erwächst Geduld, daß wir das Los bestehen.

Im Gletschereis allein auf hoher Warte,
Darfst du von seiner Heiterkeit gewinnen,
Von Stab und Kelch trägt er die Asenkarte,
Von Schwert und Münze Acht und Königinnen.

Du wirst die zwei in einem dritten einen,
Doch er ist stets der vierte der Kabiren,
Dir möge Hermes geistgezeugt erscheinen,
Jedoch der Einfall liegt bei seinen Tieren.

Was dir zum Gott geriet aus bunten Steinen,
Ist nur der Schleier über dem Altare,
Du findest ihrer tausend, aber keinen,
Der dir, Narziß, den andern offenbare.

Vielleicht wird ihn der Waffengang versöhnen,
Vielleicht das Einhorn, das zur Mittagsstunde
In Wälder tritt, um Manneslust zu frönen,
Bis er die Kelche füllt an deiner Wunde.

Sei sicher, er verachtet nicht dein Wappen,
Er sammelt gern den Schmuck gefallner Ritter,
Doch deine Künste taugten nicht zum Knappen,
So wie dein Tag, zu kalt für sein Gewitter.

Er zeigt sich spät und pflanzenhaft gelasssen,
Er gibt die Rätsel auf und mischt die Karten.
Dich aber werden Hund und Henker fassen
Wie alle, die den hohen Tag erwarten.