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Aus »Gefangener Schwan«. Gedichte 1984, Vers 1111 bis 1130

DAS GNADENREICH


Wie gnadenreich in Lauheit bricht Gewitter,
Gebärdenlos der Ton stieg unzerkrankt,
Und fremd all den Bedenklichkeiten Dritter,
Entspinnen sanfte Flügel sich und Splitter:
Musik, die Körper war und so verlangt.

Ins Körperliche treibt das Ungefähre,
Im Ganzen wurzelnd und von ihm bewacht,
Doch was, von ihm begnadet, Raum und Sphäre
Gewinnt, als ob es ihm entwachsen wäre,
Ist Eigentum der dichterischen Macht.

Ob sich die Gnade in die Schluchten senke?
Und Echo, die auf schroffen Schrägen steht,
Vertrauen faß und sich dem Körper schenke,
Ob andre Stimme sei und sein gedenke,
Denn was dem andern denkt, ist ihm Gebet.

Doch das Gedicht durchzieht der Reim: erdulde
Und sei dem Schatten, es verkörpernd, gleich.
Ob er dem Traum, der dies geschaffen, hulde,
Ob er ihm voller Scham zu schweigen schulde,
Der Dichter wacht allein im Gnadenreich.