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Aus »Engelke up de Muer«. Gedichte 2008, Vers 28719 bis 28758

UPSTALSBOOM


Hügelgrab aus fernster Zeit,
Grüner Hain auf der Allmend,
Grenzbaum höchster Heiligkeit,
Drin der Fries den Gott erkennt.
Eh er Odin hieß und Wal,
Christi Taub mit weißem Flaum,
Schirmt die Gräber ohne Zahl
Und das Land ein grüner Baum.

Niemand streckt sich je so tief
Nichts hat so am Himmel teil,
In des Stammes Ring-Archiv
Ruht so manch Geschlechter Heil,
Neide ihm die Vielgestalt,
Keiner ist so zart und fest,
Nichts ist je so jung und alt
Wie das Rauschen im Geäst.

Hier wenn irgendwo kann Recht
Sich entfalten und bestehn,
Filtert Licht das Blustgeflecht,
Kannst du ungeblendet sehn,
Nur wenn Streit und Zeugen birgt,
Solcher Würde Wachgeschweig,
Wird ein Urteil so erwirkt,
Daß sich echte Weisheit zeig.

Wie das Meer der Seele gleicht,
Tief und grundlos, schaumgekrönt,
Ists der Baum, den nichts erweicht,
Aber alle Zeit versöhnt,
Wie der Wind dem Willen gleich
Und zu jeder Stund Partei,
Ist der Baum so stark und reich,
Daß sein Sinn von Zweifeln frei.

Dieser Gott ist offenbar,
Jeder Zweig ist wahr und echt,
Und dir wird im Anschaun klar,
Daß nur solch ein Stamm gerecht,
Drum sei sein geduldig Stehn
Stichwortgeber, Metronom,
Wenn wir frei um Weisheit flehn,
Kinder unterm Upstalsboom.