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Aus »Das Murmeln der Ilm«. Gedichte 2008, Vers 26686 bis 26725

TALWEG MIT DRÄHTEN


Als die ersten Volksempfänger
Zogen in die Häuser ein,
Wollt die Urgroßmam nicht länger
Lebend auf der Erde sein,
Denn ihr schien, nun spräch man nimmer
In der eignen Wohnung frei,
Wer da hörte ihr Gewimmer,
Sprach, daß sie von Sinnen sei.

Doch sie war um vieles weiser,
Als des Teufels Preiserschar,
Die den Stimmen, schrill und heiser,
Lauschte, was das Neuste war,
Kann die Mauer nicht erwehren,
Daß die Sendung kommt ins Ohr,
Kommt, so muß Vernunft uns lehren,
Auch das Umgekehrte vor.

Wer erfunden die Antenne,
Hat die Wanze auch gebaut,
Beide sind wie Ei und Henne,
Runkel oder Rübenkraut,
Ist das eine wohlverborgen,
Macht das andre größten Lärm,
Denn das ist wie Nacht und Morgen
Oder Kehlkopf und Gedärm.

Also halt dich fern vom Strome,
Und den Räuschen, die er schafft,
Denn die sind wie Karzinome,
Die entsaugen Mut und Kraft,
Der dich dürftig macht und süchtig
Nach der Welt, so neu und schön,
Straft, vergißt du einmal flüchtig
Deine Dosis zu erhöhn.

Hast du ganz verlernt zu singen,
Daß der Wandrer nicht mehr klopft,
Bis du fremd den eignen Dingen
Und mit Fremdem zugestopft,
Dann kann nur der Blitz dich retten,
Der den Leitungsmast zerstört,
Denn der Herr zerreißt die Ketten,
Wird das Bittgebet erhört.