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Aus »Das Murmeln der Ilm«. Gedichte 2008, Vers 26960 bis 26999

WIELANDPLATZ


Der fleißig wie sein Namensgeber
Dem deutschen Schrifttum gab Kontur,
Versank im Traum, daran er Weber
Und dann zuletzt ein Künder nur,
Der Stürmer und der Dränger Goethe,
Dem er den Schmäh nicht übel nahm,
Verdrängte seine Morgenröte,
Die bald schon ins Museum kam.

Auch wenn zu Zeiten Neuentdecker
Bestrahlten seine Eigenheit,
Weiß das Gedächtnis nur Geklecker
Am großen Klotz der Goethezeit,
Sein Pech, daß er im Zentrum weilte
Und nicht in eine Nische wich,
Und Goethe dann vorübereilte,
Ein Schatten, groß und fürchterlich.

Der Jüngre war dem Ältren gütig,
Nachdem es anfangs mal gekracht,
Doch ob verklärt, ob übermütig,
Er hats uns inniger vermacht,
So mag man Wieland zwar bedauern,
Daß ihm die Nachfahrn ungerecht,
Doch wer bei Äpfeln vor den sauern
Die süßen nimmt, ist drum nicht schlecht.

Die Welt, die Gott in sieben Tagen
Uns hingestellt, ist ein Vampir
Nicht nur am Rand, sie wird getragen,
Daß den Gewinn auch wer verlier,
Nicht das Verdienst und der Charakter
Sind Rollenmeister in dem Stück,
Die Handlung fließt in höchst vertrackter
Verschleierung zu Gott zurück.

Drum wolln wir Wieland gern verehren,
Ob Goethe auch den Lorbeer trägt,
Und uns beim Himmel nicht beschweren,
Daß jede Sonne Schatten schlägt,
Nicht daß das Recht die Welt gestalte,
Und sie Vergangenheit zerdrück,
Ein Ansporn sei uns jedes Alte
Und Keim für neues größres Glück.