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Aus »Rhön und Rennsteig«. Gedichte 2007, Vers 22231 bis 22278

HÖRSCHEL


Der Werra sag Fahrwohl und steck
Aus ihrem Bett den Kiesel ein,
Als Kleinod aus dem fremden Beck,
Verschenkst du ihn in Blankenstein.

Er wohn dir bei in Schau und Fahr,
Denn dies ist hier seit alters Brauch,
Wer wandernd an der Werra war,
Grüßt neuen Monds die Saale auch.

Der Rennsteig, der die Kuppen eint,
Beginnt an diesem kleinen Ort,
Und länger als die Sonne scheint,
Wagst du dich in den Schattenhort.

Hier klagt Alraun und Wegerich
Mag nicht mehr stilln das Blut, das schäumt,
Eh Luna noch die Tannen blich,
Wirst du ein Kind, das wandelnd träumt.

Daß Klingsor dich im Kräuticht treff,
Wiegt leicht, wenn du die Wege wägst,
Doch kommt er nimmer, weil sein Chef
Nicht mag, was du am Halse trägst.

Tannhäuser hat sich hier verirrt,
Solang der Geist Frau Venus bannt,
Gar manches Gasthaus, mancher Wirt
Ihr huldigt und dem Dunkelland.

Doch kommt der Tag, da uns der Herr
Die Vorwelt aus der Acht erkennt,
Dann schweigt Gekreisch und auch Geplärr,
Wo heut die rote Lampe brennt.

Denn wenn der Schlichte weiß was echt
Und was als Surrogat betrügt,
Verliert die Nacht das Lichtgefecht,
Weil jeder weiß, der Makler lügt.

Die Wartburg grüßt als Scherenschnitt,
Wenn nicht der Tann das Aug vermummt,
Die Nachtigall hält herrlich schritt,
Du wanderst, bis ihr Lied verstummt.

Du bist seit früh die Nacht gewohnt,
Die weich macht Strauch und Buchenast,
Sie führt den Wind, der kühlt und schont
Und der nichts weiß von Hetz und Hast.

Noch ist die mondne Sichel schmal,
Es jagt kein Tier und kein Dämon,
Dir ist die Leuchte nicht zu fahl,
Denn dich führt deines Herzens Mohn.

So weißt du auch, du bist gefeit,
Du fürchtest hier nicht Arg noch Schmerz,
Im Tage ist die Aussicht weit,
Das Dunkel weitet dir das Herz.