Willkommen

Lebenslauf

Aktuell

Werke

Publikationen

Video

Leserstimmen

Verweise

Besucherbuch

Impressum
 
voriges Gedicht nächstes Gedicht

Aus »Saalisches Lied«. Gedichte 2007, Vers 21428 bis 21507

GIEBICHENSTEIN


I

Hallenser, Halloren, Halunken,
Man sagt uns, sie wärn in der Stadt,
Du warst in der Gose betrunken
Und schlägt aus dem Feuerstein Funken
Im Steinwald an Thorhammers Statt.

Die Brücke, die sah dieses Flegeln,
Die Woge, die töricht und Kind
Von Einhalt nichts weiß und von Regeln,
Sie ruft dich nach Norden zu segeln,
Wo größer die Hanse beginnt.

Die Saale bist jung du geschritten
Vom Quell nach dem größeren Fluß,
Doch kehrst du einst heim zu den Quitten,
Und auch an der Ilm wirst du bitten
Ums Umkehrn zur Quelle am Schluß.

Die Jugend treibt gern mit den Bächen,
Auf daß sie den Ozean frei,
Und doch wird Najade sich rächen,
Die Stärken enttarnen als Schwächen,
Daß größtes der Springborn dir sei.


II

Hier kreuzen sich nicht nur die Bahnen,
Hier kreuzen sich Linien der Hand,
Hier kreuzen sich Farben und Fahnen,
Wie Aufbrechen, Streiten und Mahnen,
Und sämtliche Winde im Land.

Hier hast du den Erben getroffen,
Den jüngeren Barden benannt,
Hier mischst du aus Abschied und Hoffen
Antike mit deutscheren Stoffen,
Hier fühlst du des Vaterlandes Schand.

Hier bist du zuhaus und verwundet,
Hier weißt du die Mitte als Rand,
Hier hat dir die Jugend gemundet,
Und hier wird die Rechnung gestundet,
Der Talgdocht gestützt, der verbrannt.

Hier wirst dus noch einmal versuchen,
Das Wort, das verfemt und verkannt,
Was ausging vom Hangwald der Buchen
In Reimen der Prosa zu fluchen,
Daß neu sich die Sprache bemannt.


III

Der Magdeburger Erzbischof
Sah einstens kalt die Saale ziehn,
Die Wälle rot und felsenschroff,
Doch wars recht heimlich am Kamin.

Im Hof stand frei ein Kirchenschiff,
Am Pallas ein Arkadengang,
Welch Schicksal diese Mauern griff,
Vergessen ist und dies schon lang.

Im Thronstreit zwischen Welf und Stauf,
Belagert ward auch diese Wehr,
Bestand sie oder gab sie auf?
Dies alles weiß hier keiner mehr.

Die Stadt hat nicht die Burg geliebt,
Weil sie sich hansisch frei verstand,
Auch wenns hier kaum noch Altes gibt,
Sei doch der Rang nicht ungenannt.


IV

Was nah da Reichards Garten sei,
Gibts besser Kund und Preisung viel,
Der kam von Königsberg herbei
Schon recht berühmt im Geigenspiel.

Daß Leipzig sei für Jura gut,
Riet jungem Mann der Denker Kant,
Doch ganz den Sturm und Drang im Blut,
Sah dieser ab vom Bürgerstand.

Daß er Berlins Kapelle vorn,
Schien ihm auf Dauer öd und trist,
Dafür des Knaben Wunderhorn
Ein schätzenswerter Aufbruch ist.

Luise Anhalt Dessau gab
Das Geld für die Poeterey,
Daß man den Geist am Grün erlab,
War dazumal der neuste Schrei.

Und Herder war wie Hamann hier
Und Goethe, Schiller manches Mal,
Auch der Romantik jüngre Zier
Ward oft gesehn im Saaletal.

Die Lieder, die er selber schrieb,
Sind kaum recht allgemein bekannt,
Da ihn ein böser Magen trieb,
Half auch zuletzt kein Gartenland.