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Aus »Saalisches Lied«. Gedichte 2007, Vers 21320 bis 21367

DAS HAUS IM WIND


Wer entlief dem Stall der Tanten,
Und dem Mief der Profession,
Wer sich schied vom Anerkannten
Und nicht mag den Scribler-Lohn,
Wer nicht Hirt sein will und Herde,
Auditorium, Bücherstaub,
Dem wird Goethes Stirb und werde
Sturmwind und Oktoberlaub.

Wer das Heim hat ausgeschlagen,
Das den anderen Brot und Gott,
Sei von Flügeln hoch getragen,
Bis er stürzt in Schmach und Spott,
Wer ein Tanzlied schrieb als Weiser
Zwischen Sturm und Ach-Verweil,
Weiß, der Lärm ist groß, und leiser
Ist, was Taubenfüßen feil.

Sommers in Graubünder Bergen,
Winters froh im Mild-Azur,
Zum Exil brauchts keine Schergen
Und ein bißchen Anstand nur,
Für das Glücks-Geblök der Herde
Scheint der Hinterwelten Glanz,
Doch wer vaterlos der Erde
Sohn, ist ledig jeden Stands.

Sind die Spurn des Mistral-Tanzes
Im Jahrhundert nicht verweht?
Wer dem Abendland als ganzes
Richter ward, der kommt und geht,
Nicht wie Moden und wie Staaten,
Nicht wie Ämter und Ideen,
Und in Aun und schroffen Graten
Wirst du stets sein Winken sehn.

An dem schlichten Stein zu Röcken
Hast du seiner oft gedacht,
Nicht mit hoch getürmten Blöcken
Wird des freien Geists gedacht,
Wer hier ruht im Abgelegnen,
Kehrt zuück in einen Traum,
Wo die Stillsten sich begegnen,
Und das Staatsvolk merkt es kaum.

Fall nicht nieder am Granite,
Spür den Süd dir blähn das Hemd,
Denn du stehst in Torwegs Mitte,
Wo nicht Atlas Himmel stemmt,
Denn wer schweben will in Leichte,
Läßt zerfalln, was sich nicht trägt,
Was er suchte und erreichte,
Sagt das Land, das weiterfrägt.