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Aus »Saalisches Lied«. Gedichte 2007, Vers 20625 bis 20660

GREIFENSTEIN


Folgst du dem Flug des Herrn der Himmelsmeere,
Und raunt aus den Verliesen alter Wein,
So stirbt die Rinne um der Schwarza Ehre,
Und du erschaust den Traum vom Greifenstein.

Uralt sind Graben, Wall und Palisaden,
Wehrhaft mit Zwinger, Ring und sechs Bastein,
Die Brunnen, die dich zur Erfrischung laden,
Sie durften schon den ersten Grafen weihn.

Denn das Geschlecht, das bis in unsre Tage,
Bewahrte sich Kapelle und Domän,
Erschien im Mittag, der zu Lied und Sage
Die Weiser flocht, die Mannesaugen spähn.

Die Zeit war hart doch reich im reinen Glauben,
Der Christus sah inmitten aller Welt,
Und noch die Trümmer ihres Baus erlauben
Den Schluß, daß es darinnen Gott gefällt.

Auch wenn die Herrn die Burg bald Vögten ließen,
So blieb sie doch der sichtbare Beweis,
Daß Stand und Würde einzig den erkiesen,
Der Felsen wie der Greif zu nehmen weiß.

Doch wenn die Zeichen, die an diesem Orte
Geschehn, kein Dichter mehr zu sagen wagt,
So öffnet sich des dunklen Fürsten Pforte
Und seine Reiterei die Deutung sagt.

So stürzt der Turm zusammen wenig Lenze,
Eh Mord und Frevel grell aus Frankreich schrein,
Und als der Rest zusammenbricht zur Gänze,
Da überwand das Feindesheer den Rhein.

Bald läßt der Kaiser die erkorne Krone,
Und löscht damit, was tausend Jahre galt,
Nur vor dem Gift von Buchs und Anemone
Macht Wandel, der sich stets beschleunigt, halt.

Kein Mensch begreift, wohin dies alles führen
Uns wird, sogar die Greife wurden rar,
Doch kann die Zeit ein reifres Los erküren,
Solang der Born auf Greifenstein noch klar.