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Aus »Saalisches Lied«. Gedichte 2007, Vers 20037 bis 20106

SAALISCHES LIED


I

Die Saalequelle in der Waldstein-Zeche
Speist unentwegt das mitteldeutsche Land,
Wo Ofterdingen seine Blume fand,
Dort plätschern in das Saaletal die Bäche.

Von Fugen überwölbt aus bachscher Hand,
Bestand und Fluß in menschgemäßer Fläche,
Wo Patina dich grüßt vom Kirchturmbleche,
Hat Luthers Trutz ein frohes Lied erkannt.

Daß sich kein Feind zu Mord und Brand erfreche,
Sind Morgenstern und Spieß kein eitler Tand,
Zwar lieber streicht das Boot mit heißem Peche

Der Fischer, der in Hoffnung und Verstand
Für Raub und Beute findet wenig Schwäche,
Dem steten Tun des dunkeln Stroms verwandt.


II

Das Saaleknie findst du auf allen Globen,
Die Marke, drin dich grüßt das Orlagau,
Der Boden, fruchtbar, scheint in Hain und Au
Ohne Unterlaß die Schöpfungstat zu loben.

Drückt Mühe nicht, so sei in reiner Schau
Dem Adler gleich dem Morgendunst enthoben,
Der linde Wind weicht selbst Germanophoben
Das Herz und macht den dümmsten Spießer schlau.

Was suchst du noch nach Kronen, Stäben, Roben,
Dem wachen Aug und deiner Nase trau,
Denn Edens Traum ist diesem Land verwoben.

Nur Blinde neiden Babel Mut und Bau,
Wer einmal auf dem Gamsenberge oben,
Wird still und froh im unerhörten Blau.


III

Am Saalestrande stolze Burgen wachen,
Daß deutsch der Glaube sei und frei das Feld,
Denn nur der freie Bauer nährt die Welt,
Die dies vergißt bei spielerischen Sachen.

Der Stubennarr manch Theorem erstellt,
Darüber kann man wohl im Hörsaal lachen,
Doch spannt er die Verratenen und Schwachen
Für seine Sache ein und lockt mit Geld,

So kann er einen Weltenbrand entfachen,
Daß alles Gut und Recht zusammenfällt,
Und fruchtbar bleibt allein das Ei des Drachen.

Doch wo ein saalisch Lied den Geist erhält,
Ist wenig mit Verführungskunst zu machen,
Denn feste Burg bewahrt das Himmelszelt.


IV

Die Saaleburgen und die Unstrutweine
Warn Goethen lieb wie sonst allein die Fraun,
Zwar schmeichelten Italiens Wunderaun,
Doch folgte er der strengen Frau vom Steine.

Nicht mehr Genie, Dämon, enthemmter Faun,
Am Hof bringt sich ein großes Werk ins Reine,
Nicht prometheisch kann der Geist das feine
Geflecht von Kunst und Wissenschaft erschaun.

Und faustisch löst der Reimer sich vom Scheine
Auf Maß und auf Bescheidenheit zu baun,
So wie der Bauer schirrt an kurzer Leine.

Im Saaleland stehn Heil und Gottvertraun,
Bereit, daß deine Feder von alleine
In Runen faßt der Götter Wahr-Geraun.


V

Der Saaledichter kehrt, solang die Saale
Sich schlängelnd durch die deutschen Lande regt,
Kaum hat sich hier ein grimmer Sturm gelegt,
Schön hörst du wieder den Gesang im Tale.

Denn die Musik, die diese Welle hegt,
Sie stößt durch Tafeln sich als spitze Ahle,
Sie grünt die Felsen, kalkige und kahle,
Und netzt den Wind, der um die Tennen fegt.

Sie treibt die Mühle, daß sie Weizen mahle,
Im grünen Grund, mit Birkenholz bestegt,
Daß sonnentags Frau Holl mit Klößen prahle.

Und wer im Frühtau Wanst und Bein bewegt,
Daß Wanderhunger leer die volle Schale,
In diesem Land das reiche Liedgut pflegt.