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Aus »Babylon des Worts«. Gedichte 2007, Vers 18336 bis 18375

DER WANDERER


Weit ist er umhergekommen,
Was die Länder ihm beschieden
Auf dem Pfad, den er genommen,
Bleibt in seinem Lied verschwommen,
Ob es Krieg war oder Frieden.

Mancher Spruch hat ihn begleitet,
Und die Einsamkeit begnadet,
Ob man grüß, ob man ihm streitet,
Daß er durch die Fluren schreitet,
Wehrt nicht, daß im Teich er badet.

Eine Scheune, die im Felde
Obdach bot für kalte Nächte,
Ob da jemand gier dem Gelde
Oder Bruch dem Schulzen melde,
Rührt nur wenig seine Rechte.

Freiheit kann nur Gott gewähren,
Der für Freie Mond und Sonne,
Wandern läßt, daß sie uns nähren,
Und dem Menschen wie dem Bären
Mühsal gab und reine Wonne.

Wandern ist das Los der Dichter,
Denn im Gang der Jahreszeiten,
Wechseln Wolken, Schatten, Lichter,
Eingeprägt in die Gesichter,
Die uns durch das Leben leiten.

Wie die Liebe meint die Linde,
Spür die Treue in der Traube,
Salb dich mit der Ackerwinde,
Daß den Schatz dein Traumaug finde,
Und euch segne Schwert und Glaube.

Trunken sein heißt jedes Küssen,
Drum die Liebe braucht der Sänger,
Zwischen Gold und Regengüssen,
Zwischen Rast und Weitermüssen,
Wird sie holder, reifer, länger.

Hat die Hand den Reif gefunden,
Muß sich eins im andern schauen.
So im Wanderglück gebunden,
Wird derselbe Quell euch munden
Im Gebirg und in den Auen.