Willkommen

Lebenslauf

Aktuell

Werke

Publikationen

Video

Leserstimmen

Verweise

Besucherbuch

Impressum
 
voriges Gedicht nächstes Gedicht

Aus »Babylon des Worts«. Gedichte 2007, Vers 18131 bis 18202

AUF ARNSHAUGK


Wo Schiefer sich und Lieblichkeit berühren,
Wo mädchenhaft die Saale sich im Knie
Verspielt, und Pfade über Brücken führen,
Die noch der Ritter Hufgetrappel spüren,
Und Burgen schroffen Fels zur Herrschaft küren,
Erneut sich stets die traute Melodie.

Kein Ruf, kein Wahn soll dich der Mitte scheiden
Und dem Geschlecht, dem alles frommt und paßt,
Das reicher noch als Wenden oder Heiden
Mit Ruhm und Glanz in Waffen und Geschmeiden
Den Orlagau mit Burgen, Dörfern, Weiden
Von Auma bis nach Lobdaburg umfaßt.

Und hast du auch zuerst in Orla-Auen
Der Welt geblinzelt mit verhangnem Aug,
Traf doch der Aar mit seinen scharfen Klauen
Am Grat das Kind, von diesem Ort zu schauen,
Und du bestehst ihn, da mit Gottvertrauen
Dich taufte eine Kirche auf Arnshaugk.

So soll es sein, so wird es immer bleiben:
Du trittst in manchen Kreis, in manches Feld,
Wirst dich in manche ferne Gilde schreiben,
Manch fremdes Spiel mit Leidenschaft betreiben
Und dich in Fehden anderer Mächte reiben,
Doch von Arnshaugk schaust du auf alle Welt.

Hier bleibt ein Platz der Tafelrunde offen,
Der dir gehört, den niemand je besetzt,
Auch wenn die Zeichen sich im Wind entstoffen,
Und keiner davon weiß, den du getroffen,
Dein Herz bleibt eins mit diesem Ort im Hoffen,
Daß du es hörst und wiederkehrst zuletzt.

Du hast dich wie der Aar zum Flug erhoben
Und blicktest scharf, ob dir ein Weiser taug,
Du hülltest dich in Rüstungen und Roben,
Du suchtest allenorts Bewährungsproben
Und weit im Land wirst du dein Herz verloben,
Doch Hochzeit hältst du einzig auf Arnshaugk.

Hier kann die Liebe sich zum Heil entfalten,
Hier wächst der Wind, der helles Segel bläht,
Hier können Lust und Anmut nicht erkalten,
Weil Stern und Erde Mut und Glück erhalten
Und Eide, die durch das Jahrtausend galten,
Am Quell, der dir die frohe Weisheit rät.

Dein Reim wird nicht mehr nach den Bildern suchen,
Weil Stoff und Sage hell und offenbar,
Du hörst die Lieder im Gerausch der Buchen,
Bedauerst tief die Großstadt, wo Eunuchen
Um Nichtigkeiten forschen, flirten, fluchen,
Und Lindenkronen gleicht dein blondes Haar.

Ein eignes Reich setzt du dem Markt entgegen,
Daß seine Gier dir nicht das Blut entsaug,
Du darfst dich frei auf seinem Feld bewegen,
Die Zeichen streun und auch zusammenfegen,
Wenn seine Diener Splitter bloß verlegen
Von dem, was fest zusammenfaßt Arnshaugk.

So mögen Jahre grüßen dich mit Schrecken,
Wo finster rüstet sich des Menschen Feind,
Doch wird der Herr dir manche Wehr entdecken,
Und tobt die Hölle wider deinen Flecken,
Wird selbst dein Weib die Knechte niederstrecken,
Daß ihnen das Gericht gekommen scheint.

Wo viel Gefahr, da ist auch Zeit zu feiern,
Im Ernteglück, in Osterwunders Fest,
Wenn du mit Störchen oder Silberreihern
Im Ried dich tummelst, wenn mit anderen Meiern
Du Felle tauschst mit Honig und mit Eiern,
Und wenn die Amsel singt im Tanngeäst.

So ein in dir, was Horst und Hang bedeuten,
Die Sole aus den Schieferklüften laug,
Da lieg nicht faul und feist auf Bärenhäuten,
Denn wird die Erde deinen Leib erbeuten,
So schallt, umwogt vom Kirchenglockenläuten,
Ein lutherisches Trutzlied auf Arnshaugk.